Bad Nenndorf – Die anhaltende Kälte hat in vielen Regionen Deutschlands zur Bildung von Eisflächen auf Seen, Teichen und fließenden Gewässern geführt. Trotz der winterlichen Kulisse warnt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) eindringlich davor, diese Eisflächen zu betreten. Nach Einschätzung der Wasserretter ist das Eis in den meisten Fällen weiterhin nicht tragfähig.
„Verschiedenste Faktoren führen dazu, dass das Eis grundsätzlich gefroren aussieht, aber eben nicht zwingend dick genug sein muss.“
Philipp Pijl, Bereichsleiter Wasserrettung und Bevölkerungsschutz beim Bundesverband der DLRG
Denn außer den niedrigen Temperaturen, spielen noch weitere Einflüsse eine bedeutende Rolle: Schnee auf dem Eis führt zu Lufteinschlüssen, die die Tragfähigkeit deutlich reduzieren. Zudem ist oft unklar, ob ein Gewässer vollständig abgekühlt ist, oder ob unterirdische Zuflüsse für höhere Wassertemperaturen sorgen.
„Am Rand kann das Eis tragen, ein Stück weiter draußen ist es plötzlich nur noch ein Zentimeter dick oder sogar offen.“
Philipp Pijl
Tragfähigkeit nur bei ausreichender Eisstärke
Mit Blick auf das kommende Wochenende warnt der Experte der DLRG insbesondere vor den Auswirkungen wechselnder Temperaturen. Nachts herrschen verbreitet Minusgrade, tagsüber steigen die Temperaturen teils über den Gefrierpunkt.
„Die größte Gefahr ist, dass Schnee antaut und anschließend wieder gefriert.“
Philipp Pijl
Dabei entstehen mehrschichtige Eisplatten, die optisch massiv wirken, tatsächlich aber kaum tragfähig sind. Der Wechsel aus Frost und Tauwetter erhöht das Risiko zusätzlich.
Grundsätzlich rät die DLRG, Eisflächen nur dann zu betreten, wenn sie ausdrücklich freigegeben sind. In der Praxis geschieht das jedoch oft nicht. Umso wichtiger ist die Eigenverantwortung. Wer sich dennoch auf das Eis wagt, sollte dies frühestens bei einer Eisstärke von mindestens 15 Zentimetern auf stehenden und 20 Zentimetern auf fließenden Gewässern tun. Nach wenigen Frosttagen werden diese Eisstärken in der Regel allerdings noch nicht erreicht. Gerade bei Flüssen ist Vorsicht geboten.
„Dort ist die Gefahr besonders groß, unter das Eis zu geraten und nicht mehr herauszukommen.“
Philipp Pijl
Warnsignale ernst nehmen
Wer sich in der Nähe von Eisflächen aufhält, sollte auf deutliche Warnzeichen achten. Dunkle Stellen oder Wasser auf dem Eis deuten auf Tauprozesse oder Zuflüsse hin. Auch Knack- oder Knistergeräusche sind ernstzunehmende Warnsignale. Besonders gefährlich sind verschneite Eisflächen, da der Schnee Schwachstellen verdecken kann.
Kommt es dennoch zu einem Eiseinbruch, gilt: Ruhe bewahren.
„Erstmal nicht in Panik geraten. Das ist das Schlimmste, was passieren kann und darauf achten, dass man nicht unters Eis kommt.“
Philipp Pijl
Man sollte sich möglichst mit dem Oberkörper auf den Eisrand legen, um das Gewicht zu verteilen und so in Bauchlage an das Ufer robben.
Wer einen Einbruch beobachtet, sollte zunächst Hilfe holen und sofort den Notruf 112 wählen. Eigene Rettungsversuche dürfen nur erfolgen, wenn keine zusätzliche Gefahr entsteht. In diesem Fall sollten möglichst weitere Helfer mobilisiert werden.
„Sonst sind im schlimmsten Fall zwei Menschen im Wasser.“
Philipp Pijl
Unterschätzte Gefahr
Laut Philipp Pijl gehören Kinder und Männer zu den besonders gefährdeten Personengruppen. Denn auch im Winter gilt: Kinder werden magisch von Wasser angezogen, so auch von Eisflächen. Den jüngsten fehlt häufig die Erfahrung, Risiken realistisch einzuschätzen. Männer neigen oft dazu, Gefahren zu unterschätzen oder bewusst ein höheres Risiko einzugehen.
Die DLRG weist zudem darauf hin, dass Menschen ohne Erfahrung mit winterlichen Eisflächen sich der Gefahren oft nicht bewusst sind. Besonders Personen, die aus Regionen stammen, in denen Gewässer kaum oder nie zufrieren, sollten sich gezielt über die Risiken informieren.
Zur Prävention empfiehlt Pijl, Kinder frühzeitig aufzuklären und Verhaltensweisen zu üben.
Die wichtigsten Verhaltensregeln für Eisflächen sind auf der Website der DLRG sowohl auf Deutsch als auch in anderen Sprachen zusammengefasst: Sicherheit auf dem Eis | DLRG e.V.
Quelle: DLRG – Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft




