Bockenheim an der Weinstraße – Es war, als habe seine Majestät “Bockrem Bert” – Seher der Seher, Weiser der Weisen, Prognostiker der Prognostiker und außergewöhnlicher Wetterprophet – kurz gezögert, als er von Mitgliedern der Burschenschaft 1813 Bockenheim e.V. am Sonntag, 01. Februar 2026, rechtzeitig zum “Groundhog Day” aus seinem Weinfass im Mehrgenerationenpark hinter dem “Haus der Deutschen Weinstraße” gezogen wurde.
Über 200 Anwesende konnten sehen, wie er kurz die Augen zusammenkniff, als ob er sich vor der Wintersonne schützen wollte. Die Menge erstarrte und beobachtete andächtig stumm, wie die Burschenschaftler dem Wetterpropheten in der Fachsprache “Groundhogease” das große Geheimnis um den Beginn des Frühlings entlockten und sorgfältig – übersetzt in pfälzische Mundart – protokollierten.
Die Spannung blieb auch bei der offiziellen Begrüßung durch Ortsbürgermeister Uli Keidel – in Mundart, wie es sich für die Mundartgemeinde Bockenheim gehört. Ebenso im Dialekt berichtete Wieland Benß über die vergangenen und anstehenden Kulturtermine rund um das Pfälzische – so zum Beispiel die 49. Bockenheimer Mundarttage im April und der 74. Pfälzische Mundartdichter-Wettstreit im Oktober 2026. Michael Werner, Herausgeber von “Hiwwe wie Driwwe”, überbrachte eine Grußbotschaft aus Pennsylvania in pennsylvanisch-deitscher Mundart.
Im Anschluss schwor Uli Keidel stellvertretend für die gesamte “Grundsau Lodge No. 19” (18 weitere gibt es im Pennsylvania Dutch Country) die Anwesenden “mit Pfoten in der Höhe” ein und verpflichtete sie öffentlich, künftig nicht mehr Wetterberichten im Fernsehen oder der Zeitung zu vertrauen und nur noch zu glauben, was seine Majestät “Bockrem Bert” verkündet. Niemand der Gläubigen entzog sich diesem Ritual, das üblicherweise der Wetterprophezeiung vorangeht.
Zum Höhepunkt verlasen Uli Keidel und Wieland Benß den von der Burschenschaft protokollierten Wetterbericht. Allen Anwesenden fiel ein Stein vom Herzen, als sich herausstellte, dass “Bockrem Bert” kurz nach dem Wecken DOCH KEINEN SCHATTEN gesehen hatte. Nur etwas “Schlaf in den Augen” hatte seine Majestät kurz nach dem unsanften Wecken daran gehindert, seine Augen vollständig zu öffnen. Und so verkündete er: “Kein Schatten gesehen: Der Frühling in der Pfalz kommt schon bald” (den kompletten Wortlaut der Prophezeiung steht im gesonderten Kasten).
Die über 200 Anwesenden bekundeten die Verlautbarung mit Applaus und feierten den nahenden Frühling vor Ort noch mit Speisen und Getränken des Kultur- und Verkehrsvereins Bockenheim e.V., unterhalten von den “Hasslocher Mackebachern”, die neben vielen pfälzischen Gassenhauern auch pennsylvanisch-deutsche Murmeltier-Hits wie “Pennsylvania Polka” und “Wart bis die Sunn scheint, Nellie!” spielten.
Wedderbericht 2026 Was waar der Winder kalt un nass, Zum Glick waar ich do drin im Fass, Mit ganz viel Schtroh un wennich Wei, So kammer lewe – so derfs sei. Ich hab gschlofe lang un guud, Vor fimf Minudde noch … was duht Mer mich noht schteere frieh im Yohr, ich glaab, die Kerle sinn net gloor. Schleefe mich raus aus em Loch, Dricke mich un frooge noch, Wie’s Wedder werd – ich deet gern wisse, Wie lang mer noch do rumschteh misse. Ich will sofort zerick ins Bett, Uffschteh will ich lang noch net. Noch een Minudd, dann werr ich bees, Un mach eich all die Hell noht heess! Doch waart – was heer ich, ihr wollt wisse, Ob die Fraa Holl noch schiddelt Kisse, Ob es viel reechent odder schneit, Odder die Sunn scheint weit un breit … Ganz korz un knapp: Ihr frogt mich ab, ob der Winder lang noch bleibt, ob’s Friehyaahr sich die Händ schun reibt. Okay, ich guck mich yuscht mol um, wu iss se dann? Ich seh kenn Sunn! Noht gebts nadierlich aa kenn Schadde: Der Winder geht: Friehyaahr kann schtarte! Es werd ball warm, des iss gewiss, So sicher, wie ball Oschdre iss. Drum freet eich uff en scheeni Zeit, Mir do in Bockrem sinn bereit! gezeichnet: Bockrem Bert Seher der Seher, Weiser der Weisen, Prognostiker der Prognostiker und außergewöhnlicher Wetterprophet fer die ganz Grundsau Lodsch No. 19
Quelle: Dr. Michael Werner




