Koblenz – Mit einem offenen Brief wenden sich über 30 Fachakteure und Initiativen aus Awareness-Arbeit, Veranstaltungswesen, Prävention und Gewaltschutz an die Politik und Verwaltung in Rheinland-Pfalz und geben konkrete Handlungsempfehlungen an die Landespolitik. Darunter unter anderem der 1. FC Kaiserslautern und die I-Motion GmbH, die Veranstalter des NATURE ONE Festivals. Ihr gemeinsames Anliegen: der gezielte Aufbau und Ausbau landesweiter Awareness-Strukturen bei öffentlichen und kulturellen Veranstaltungen.
Rheinland-Pfalz gilt als Land der Volksfeste, Festivals und kulturellen Begegnungsorte. Diese Räume seien zentrale Orte gesellschaftlicher Teilhabe, so die Unterzeichner des Briefes. Damit sie für alle Menschen sicher nutzbar bleiben, brauche es verbindliche und verlässlich finanzierte Awareness-Strukturen. Awareness-Arbeit zielt darauf ab, Menschen vor sexualisierter Gewalt, Diskriminierung und Grenzüberschreitungen zu schützen, Betroffene zu stärken und Übergriffen präventiv entgegenzuwirken. Dies stärkt auch die Attraktivität des Kulturstandorts Rheinland-Pfalz. Das Fazit des offenen Briefes: Im Land gibt es großes Engagement und fachliche Expertise, jedoch keine landesweit koordinierte, nachhaltig finanzierte Struktur. Während einzelne Städte bereits Leitfäden oder Pilotprojekte entwickelt haben, fehlen in anderen Regionen Awareness-Angebote vollständig. Häufig basiert die Arbeit auf Ehrenamt oder kurzfristiger Projektförderung – mit entsprechenden Qualitäts- und Belastungsproblemen.
Awareness als Teil bestehender gesetzlicher Verpflichtungen
Die Initiativen betonen, dass es nicht um zusätzliche bürokratische Hürden gehe, sondern um die konsequente Umsetzung bestehender gesetzlicher Grundlagen. Bundesweite Regelungen wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verpflichten bereits zum Schutz vor Diskriminierung. Awareness-Konzepte seien ein zentrales Instrument, um diesen Anspruch im Veranstaltungs- und Kulturbereich praktisch umzusetzen. Zugleich berühre Awareness zentrale landespolitische Ziele: Gleichstellung, Gewaltschutz, Demokratieförderung, Gesundheitsprävention sowie die Stärkung von Kultur, Tourismus und Nachtökonomie.
Der offene Brief formuliert fünf zentrale Empfehlungen an die Landespolitik, darunter:
- den Aufbau einer landesweiten Koordinierungs- oder Fachstelle,
- dauerhafte Förderprogramme für professionelle Awareness-Strukturen,
- flächendeckende, qualitätsgesicherte Schulungsangebote,
- die enge Verzahnung mit bestehenden Gewaltschutz- und Präventionsstrukturen,
- sowie die verbindliche Verankerung von Awareness in Sicherheits- und Veranstaltungskonzepten.
2025 hat das Netzwerk musicRLPwomen* ein Projekt zum Aus- und Aufbau von Awareness-Strukturen auf Veranstaltungen in Rheinland-Pfalz initiiert. Teil davon waren sowohl vier regionale Treffen in Mainz, Kaiserslautern, Trier und Koblenz sowie digitale Workshops zum Thema Awareness für Veranstalter. Beteiligt waren Fachstellen, Kommunen, Veranstalter sowie Experten aus Präventions- und Gewaltschutzarbeit. Hierbei wurde neben dem Vernetzungsangebot auch eine Bestandsaufnahme geschaffen, die als Grundlage für die Konzeption des offenen Briefes diente. Gefördert wurde das Projekt von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur.
Quelle: Netzwerk musicRLPwomen*




