Neuwied-Engers – Sie stehen für ein Jahrhundert gemeinsames Singen und Musizieren, für gelebtes Ehrenamt und für kulturelle Heimat: Elf Musikvereinigungen und ein Chor wurden im festlichen Dianasaal von Schloss Engers für ihr mindestens 100-jähriges Wirken ausgezeichnet.
Kulturstaatssekretär Dr. Denis Alt vom Ministerium für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur überreichte den instrumentalen Musikvereinigungen die PRO-MUSICA-Plakette und dem Chor ‚Zwischentöne‘ Saffig die Zelter-Plakette. Beide Auszeichnungen werden im Namen des Bundespräsidenten an Vereinigungen verliehen, die sich seit mindestens einem Jahrhundert kontinuierlich der Pflege der Musik widmen.
In seiner Ansprache bekannte sich Dr. Denis Alt zu einer verlässlichen Unterstützung der Kulturförderung in Rheinland-Pfalz. Kultur sei kein Luxus und kein bloßes ‚Nice-to-have‘, sondern ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens. Sie ermögliche Teilhabe, schaffe Gemeinschaft und begleite Menschen in jedem Alter. Gerade die Amateurmusik mache Kultur flächendeckend erlebbar – in Städten ebenso wie in kleinen Gemeinden und im ländlichen Raum.
„Wer über ein Jahrhundert hinweg gemeinsam musiziert, bewahrt nicht nur eine Tradition. Diese Vereine und Chöre haben sich immer wieder erneuert, junge Menschen aufgenommen und Gemeinschaft gestiftet. Sie zeigen eindrucksvoll, welche Kraft in der Musik und im Ehrenamt liegt. Damit dieses Engagement eine Zukunft hat, braucht es neben Anerkennung und verlässlicher Förderung auch Orte, an denen geprobt, aufgetreten und Gemeinschaft gelebt werden kann.
Achim Hallerbach, Präsident des Landesmusikverbandes Rheinland-Pfalz und Landrat des Kreises Neuwied
Große Hoffnung lege man auf das im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung getroffene Kulturfördergesetz. Damit können Strukturen gestärkt, gefördert und auch nachhaltige Förderinstrumente geschaffen werden.
Der Präsident des Landesmusikverbandes Rheinland-Pfalz, Achim Hallerbach, verbindet damit die Hoffnung, dass auch das Zusammenspiel der Bereiche Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur innerhalb des zuständigen Ministeriums genutzt werde, um Städte und Gemeinden bei der Erhaltung und Entwicklung solcher Kulturräume wirksam zu unterstützen. Denn vor Ort entscheidet sich, ob ein Chor einen Probenraum findet, ein Orchester auftreten kann und junge Menschen Zugang zur Musik erhalten.
Die ausgezeichneten Vereinigungen spiegelten die ganze regionale Vielfalt des Landes wider. Ihre Heimatorte reichen vom Norden Rheinland-Pfalz über die Eifel nahe der belgischen Grenze bis in die südliche Pfalz. Unterschiedliche musikalische Traditionen und regionale Prägungen kamen so im Dianasaal zusammen – verbunden durch die Freude an der Musik und ein außergewöhnlich beständiges ehrenamtliches Engagement. Denn eine hundertjährige Vereinsgeschichte muss für das Auszeichnungsverfahren umfassend und nachvollziehbar belegt werden. Die Verantwortlichen sichteten alte Chroniken, Protokollbücher, Konzertprogramme, Fotografien und Zeitungsberichte, forschten in Archiven und führten Gespräche mit ehemaligen Mitgliedern und Zeitzeugen. Manche Spur musste nach Jahrzehnten erst wiederentdeckt, manches Dokument sorgfältig eingeordnet werden. Diese oftmals mühevolle Arbeit erfolgt vollständig im Ehrenamt. Sie bewahrt nicht nur die Geschichte eines einzelnen Vereins oder Chores, sondern zugleich einen wichtigen Teil der Kultur- und Sozialgeschichte seiner Gemeinde. Dieses Engagement für das kulturelle Gedächtnis verdient deshalb ebenso große Anerkennung wie die hundertjährige musikalische Tätigkeit selbst.
Auch Peter Stieber, Präsident des Landesmusikrates Rheinland-Pfalz, hob die verbindende Bedeutung der Amateurmusik hervor. Sie sei eine generationsübergreifende Kulturform, in der Menschen unterschiedlichen Alters gemeinsam Verantwortung übernähmen, voneinander lernten und das kulturelle Leben des Landes aktiv gestalteten.
Die Verleihungsfeier wurde vom Landesmusikverband Rheinland-Pfalz ausgerichtet und organisiert. Mit ihr würdigte der Verband nicht nur die beeindruckende Vergangenheit der ausgezeichneten Vereinigungen, sondern richtete den Blick zugleich nach vorn: auf lebendige Vereine und Chöre, auf musikalischen Nachwuchs und auf verlässliche Rahmenbedingungen, damit gemeinsames Singen und Musizieren auch in den kommenden Jahrzehnten überall in Rheinland-Pfalz möglich bleibt.
Mit der PRO-MUSICA-Plakette wurden ausgezeichnet
- Musikverein Zeltingen-Rachtig
- Musikverein Argenthal
- Musikverein Trier-Feyen 1926
- Musikverein Wolfsfeld
- Musikverein Brunken 1926
- Musikverein ‚Germania‘ Ruschberg
- Musikverein Hochscheid
- Musik- und Wanderclub ‚Rietania‘ Rhodt
- Stadtkapelle Schweich
- Alftal-Blasorchester
- Katholische Kirchenmusik St. Martin 1876 Bingen am Rhein
Mit der Zelter-Plakette wurde ausgezeichnet
- Chor ‚Zwischentöne‘ Saffig
Die PRO-MUSICA-Plakette wird Musikvereinigungen verliehen, die seit mindestens 100 Jahren bestehen und sich in dieser Zeit in besonderer Weise der Pflege des instrumentalen Musizierens gewidmet haben. Die Zelter-Plakette ist die entsprechende Auszeichnung für Chorvereinigungen. Beide Ehrungen werden im Namen des Bundespräsidenten vergeben.
Quelle: Landesmusikverband Rheinland-Pfalz e.V.






