Speyer / Albisheim – Mehr als 3.000 Jahre lag ein besonders reich ausgestattetes Grab bei Albisheim im Erdreich verborgen. Im Zuge der Erschließung eines Neubaugebietes im Alzeyer Hügelland wurde es in den Jahren 2023 bis 2025 bei archäologischen Untersuchungen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), Landesarchäologie, Außenstelle Speyer, entdeckt. Auf der Grabungsfläche wurden insgesamt mehr als 850 Befunde unterschiedlicher Zeitstellungen freigelegt.

Ein rätselhaftes Goldobjekt beschäftigt seit seiner Bergung die Fachleute der Landesarchäologie. Nach umfangreichen restauratorischen und wissenschaftlichen Untersuchungen liegen nun erste Ergebnisse vor, die neue Einblicke in Herstellung, Beschaffenheit und mögliche Funktion des Fundes geben.

„Das Prunkgrab von Albisheim zeigt eindrucksvoll, welches wissenschaftliche Potenzial in archäologischen Funden steckt. Entscheidend ist nicht allein ihre Bergung, sondern die sorgfältige Untersuchung und Auswertung. So gelingt es, Spuren aus einer mehr als 3.000 Jahre zurückliegenden Vergangenheit wieder lesbar zu machen und unser Wissen über das Leben der Menschen in der späten Bronzezeit Schritt für Schritt zu erweitern.“

Kulturstaatssekretär Dr. Denis Alt

Das Goldobjekt, das unter einer Bronzeschale gefunden wurde, ist Teil einer Urnenbestattung aus dem 12./11. Jahrhundert v. Chr. mit mindestens 24 keramischen Gefäßen sowie außergewöhnlichen Beigaben aus Bronze und Edelmetall.

Seine Form und Konstruktion warfen zunächst zahlreiche Fragen auf. Die restauratorischen Untersuchungen liefern inzwischen Hinweise darauf, dass der Goldkörper gezielt in seiner erhaltenen Form hergestellt und mit einem heute vergangenen organischen Material verbunden wurde. Klebstoffreste, kleine Nägel und schnurartige Strukturen gehören zu den Spuren, die bei der Rekonstruktion helfen.

„Gerade dieser Fund zeigt, wie viel archäologische Forschung mit genauer Beobachtung zu tun hat. Oft sind es winzige Werkzeugspuren oder Materialreste, die entscheidende Hinweise liefern. Aus vielen Einzelbefunden lässt sich schließlich nachvollziehen, wie ein Objekt hergestellt wurde und wie es ursprünglich ausgesehen haben könnte. Zugleich bleiben Fragen offen – und genau darin liegt der besondere Reiz dieses Fundes.“

Dr. Ulrich Himmelmann, kommissarischer Leiter der Direktion Landesarchäologie der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE)

Die bisherigen Untersuchungen durch die Expertinnen und Experten der GDKE sprechen dafür, dass das Goldobjekt nicht aus einer bereits bestehenden Goldflasche herausgetrennt wurde. Vielmehr wurde es offenbar eigens in dieser Form gefertigt. Auch die Verzierung gibt Hinweise auf die Herstellung: Das Muster wurde vermutlich von der Innenseite in das Goldblech ziseliert.

Noch ist die Untersuchung nicht abgeschlossen. Naturwissenschaftliche Analysen sollen weitere Erkenntnisse über die organischen Bestandteile, den verwendeten Klebstoff und die auffälligen schnurartigen Strukturen liefern. Auch Vergleiche mit ähnlichen Funden sollen helfen, das Goldobjekt genauer einzuordnen. Damit steht fest, dass der außergewöhnliche Fund von Albisheim auch nach den ersten Forschungsergebnissen die Fachleute weiter beschäftigen wird.


Quelle: Generaldirektion Kulturelles Erbe