Speyer – Anlässlich seines 30-jährigen Bestehens im Jahr 2025 hatte der Dombauverein Speyer sich zum Ziel gesetzt, mit einer einmaligen Spendenaktion die denkmalgerechte Instandsetzung des Ölbergs zu ermöglichen. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Arbeiten dankte der Dombauverein nun zusammen mit dem Domkapitel im Rahmen eines Festaktes den zahlreichen Spendern für die Ermöglichung dieser Maßnahme.
107.538 Euro wurden insgesamt für das Projekt gespendet. Weitere 70.000 Euro übernahm der Dombauverein aus seinen Mitteln. Damit konnten die Restaurierungskosten vollständig durch bürgerschaftliches Engagement gedeckt werden.
Restaurierungsbedarf für ein bauliches Kleinod
Der Ölberg im südlichen Domgarten prägt das Umfeld des Doms wesentlich und besitzt spirituell wie kunsthistorisch eine herausragende Bedeutung. Kriege und Verwitterung hatten dem steinernen Andachtsort über die Jahrhunderte jedoch schwer zugesetzt, so dass sich der Ölberg in einem deutlich restaurierungsbedürftigen Zustand befand. Die Figuren waren verschmutzt und teilweise beschädigt, das gesamte Ensemble war reinigungsbedürftig.
Dombaumeisterin Hedwig Drabik erläuterte vor Ort die Maßnahmen. In den letzten Monaten wurde der Ölberg mit seinen 18 Skulpturen gereinigt, steinrestauratorisch konserviert und bildhauerisch ergänzt. Verloren gegangene Elemente, wie der Heiligenschein der Christusfigur, wurden dabei neu geschaffen und vervollständigen die Szenerie. Änderungen gibt es im Erscheinungsbild des Engels am Höhepunkt der Felsenlandschaft, dessen Kopf und Kelch nach dem erhaltenen Bozzetto Gottfried Renns rekonstruiert worden sind.
„Dass wir am Dom etwas rekonstruieren, kommt nicht so oft vor.“
Dombaumeisterin Hedwig Drabik
Dass diese Arbeit durchgeführt werden konnte, sei ein seltener Glücksfall. Ein solcher seit auch die Wiederauffindung von ein paar Fingern gewesen. Diese wurde im Bistumsarchiv gefunden und konnten einem der Soldaten zugeordnet werden. Neben den Hauptarbeiten an den Figuren wurde auch die mittelalterliche Felsenlandschaft gereinigt und restauriert.
Bereits ein Jahr zuvor wurden Vorarbeiten an der Einfriedung und Zaunanlage sowie am hölzernen Schwellenkranz durchgeführt, die nun durch die Fertigstellung der Restaurierung das harmonische Gesamtbild ergänzen. Einen wichtigen Stellenwert der Restaurierung nimmt die Ergänzung einer neuen Beleuchtung ein. Viele Jahre stand der Ölberg im Dunkeln und wird nun durch eine dezente Beleuchtung würdig in Szene gesetzt. Neu gesetzte Stauden fassen die Anlage ein.

Finanzierung durch Spenden
Dem Dombauverein ist es gelungen, die Restaurierungsmaßnahmen vollständig durch private Spenden zu finanzieren. Ab April 2026 suchte der Dombauverein für die Restaurierung der 18 Figuren Patinnen und Paten, um die Arbeiten an diesen Figuren finanzieren zu können. Bereits kurze Zeit später waren alle 18 Patenschaften vergeben. Weitere Spenden gingen für die Restaurierung der Berglandschaft, die Anbringung einer Beleuchtung und die Gestaltung des Geländes um den Ölberg ein. Im Ergebnis kamen so 107.538 Euro zusammen.
62 mal wurden dem Dombauverein von Einzelpersonen, Paaren, Familien und Unternehmen Spenden überwiesen. Die Spendensummen reichten in der Höhe von 50 bis 15.980 Euro. Den höchsten Einzelbetrag erhielt der Dombauverein von der Sparkasse Vorderpfalz für die Restaurierung des Engels auf der Spitze des Ölbergs. Die Restaurierung dieser Figur war besonders aufwändig, insbesondere weil sie mit einem neuen stilgerechten Kopf versehen werden musste, den ein Bildhauer herstellte.
Die Spender stammen zum größten Teil aus Speyer und der Region. Den weitesten Weg hatten die Spenden von Axel Jansen aus Neuss und Heike Graf aus Wittlich. Auch das gab es: Eine Spende in Höhe von 2.680 Euro stammt von der Interessengemeinschaft der Gästeführer Speyer. 38 Gästeführer brachten zusammen diese Spendensumme auf. Die Namen aller Personen, Institutionen und Unternehmen, die mindestens 1.000 Euro gespendet haben, werden auf zwei Tafeln vor dem Ölberg genannt – auf einer Tafel die Namen der Figurenpaten, auf der anderen Tafel die Namen der anderen Spender. Weitere rund 70.000 Euro stellt der Dombauverein aus eigenen Mitteln, die für diesen Zweck angespart wurden, zur Verfügung. Diese Mittel kommen zum größten Teil ebenfalls aus Spenden und aus Mitgliedsbeiträgen. Damit können die Gesamtkosten der Maßnahme in Höhe von rund 177.000 Euro komplett gedeckt werden.


Dank an Spender und Handwerker für die Erhaltung eines Stein gewordenen Zeichens
Der Vorsitzende des Dombauvereins, Gottfried Jung, sagte bei der Übergabe der Urkunden an die Spender:
„Wir sind überwältigt von dem gigantischen Erfolg unserer Jubiläums-Aktion, der einmal mehr von der großen Identifikation der Menschen in der Region, aber auch darüber hinaus, mit unserem Dom und dem mit ihm verbundenen baulichen Erbe in Gestalt des Ölbergs zeugt. Bürgerschaftliches Engagement hat zu 100 Prozent die Restaurierung des Ölbergs möglich gemacht. Dass wir dadurch diesem Baudenkmal als Kleinod der Bildhauerkunst wieder zu einem würdigen Zustand verhelfen konnten, erfüllt uns mit Freude und Stolz.“
Gottfried Jung
Zugleich dankte er Dombaumeisterin Hedwig Drabik und der Architektin Marta Schiedermaier für die Professionalität und das Fingerspitzengefühl, mit dem sie das Projekt konzipiert und gesteuert hatten. Der gleiche Dank gelte den beteiligten Firmen für ihre qualifizierte Arbeit.
Domdekan Dr. Georg Müller sprach dem Dombauverein und den versammelten Spenderinnen und Spendern im Namen des Domkapitels seinen Dank aus:
„Seit nunmehr 31 Jahren kann das Speyerer Domkapitel auf die verlässliche Unterstützung des Dombauvereins zählen. Dass es diesem nun gelungen ist, mit einer besonderen Spendenaktion zusätzliche Mittel in sechsstelliger Höhe zu mobilisieren und damit die Restaurierung des geistlich wie kunsthistorisch bedeutsamen Ölbergs zu finanzieren, zeigt einmal mehr, was eine engagierte Gemeinschaft für den Erhalt unseres Domes bewirken kann. Mein besonderer Dank gilt den Spenderinnen und Spendern, die sich dieses Projekt zu Herzen genommen und es mit ihrer großzügigen Unterstützung möglich gemacht haben.“
Domdekan Dr. Georg Müller
Dieses außergewöhnliche Engagement, so Müller, würdige das Domkapitel mit höchstem Respekt und großer Ergriffenheit.


Diözesanadministrator Markus Magin rief in seinem Grußwort ins Gedächtnis, dass der Ölberg nicht in erster Linie als Kunstwerk, sondern „als Stein gewordene Theologie und Mystik“ errichtet worden sei, um „den leidenden Christus und damit den mit-leidenden und tröstenden Gott ins Zentrum zu stellen“. Er betonte, dass die Darstellung des Passionsgeschehens auch heute ein Zeichen der Hoffnung und Solidarität sei und dazu aufrufe, insbesondere den Schwachen und Leidenden beizustehen. So sei auch die Gemeinschaftsleistung der Spenderinnen und Spender, die die Restaurierung des Ölbergs ermöglicht hatten, ein Zeichen des „füreinander Einstehens“.
Bürgermeister Prof. Dr. Alexander Schubert verwies ebenfalls auf die Botschaft der Skulpturenlandschaft. Mit dem Ölberg werde den Menschen vor Augen geführt, dass Stärke nicht bedeute, keine Zweifel zu kennen oder keine Schwäche zu zeigen.
„Stärke zeigt sich vielmehr auch darin, füreinander da zu sein, den Blick für die Sorgen des anderen nicht zu verlieren und gerade in schwierigen Zeiten an Menschlichkeit und Hoffnung festzuhalten.“
Bürgermeister Prof. Dr. Alexander Schubert
Er bezog dies auch auf den Umgang mit kulturellem Erbe. Dass sich so viele Menschen, Unternehmen und Institutionen an der Restaurierung beteiligt haben, sei alles andere als selbstverständlich und zeige „wie weit die Verbundenheit mit unserem Dom und mit den historischen Schätzen unserer Stadt reicht“.

Zur Geschichte des Ölbergs:
Beim Ölberg handelt es sich um eine steinerne Figurengruppe, die das biblische Geschehen des Gebets Jesu auf dem Jerusalemer Ölberg vor seiner Gefangennahme darstellt. Er bildete ehemals den Mittelpunkt des Domkreuzganges. Einst war dieser Ölberg ein Meisterwerk gotischer Bildhauerkunst und in seiner Zeit berühmter als der Dom selbst. Gestiftet wurde der Ölberg durch den Domherrn Wipricht von Finsterloe, dessen Grabstein im Dom erhalten ist. Er hatte dafür die stattliche Summe von 200 Gulden bestimmt. 1504 beschloss das Domkapitel, einen solchen Ölberg „zierlichst und andächtigst“ zu erbauen. Den Entwurf lieferte der Heilbronner Bildhauer Hans Seyfer, der jedoch noch vor Baubeginn starb. Ausgeführt haben das Werk Lorenz Lechler und Meister Heinrich, der Werkmann des Domstifts; die Figuren vollendete Seyfers Bruder Lenhart. 1511 war der Ölberg fertig. Von den Zeitgenossen wurde es einhellig als ein Kunstwerk gepriesen, wie im gesamten Deutschen Reich – und darüber hinaus – kein zweites von gleicher Qualität zu finden sei. Man reihte es sogar unter die „Weltwunder“ ein. Der englische Reisende Thomas Coryate nannte den Ölberg 1608 „eines der feinsinnigsten Kunstwerke Europas“.
Leider wurde der Ölberg 1689 und 1793 bis 1794 durch französische Soldaten schwer beschädigt. Die alten Figuren sind ab 1871 durch Arbeiten von Gottfried Renn ersetzt worden. Der Ölberg erscheint als eine gestufte Felskuppe. In einer Schraubenlinie führt ein Weg empor. Ihn beschreiten Judas gemeinsam mit den Schergen und ein Hauptmann mit drei Soldaten. Oben betet Jesus, ringsum zerstreut liegen die schlafenden Jünger, zuoberst befindet sich ein Engel. Auf den Felsen der Kuppe wuchern naturalistisch dargestellte Pflanzen, dazwischen bemerkt man allerlei Kriechtiere, ferner Hasen, Eichhörnchen, Schildkröten. Ursprünglich war der Ölberg von einem Meisterwerk in Gestalt eines sechseckigen gotischen Baldachins überwölbt. Dieser wurde später nicht mehr hergestellt. Stattdessen erhielt das Baudenkmal Anfang der 1960er Jahre ein mit Schiefer gedecktes Holzdach. Der Ölberg befand sich zuletzt in einem deutlich restaurierungsbedürftigen Zustand. Einzelne Figuren waren beschädigt, das gesamte Ensemble war reinigungsbedürftig.
Quelle: Bistum Speyer






