Ludwigshafen – Ronya Othmanns Roman Vierundsiebzig über den Genozid an den Jesiden beginnt mit folgender Beschreibung: „Ich sehe Frauen in den Kleidern meiner Großmutter, meiner Tante, meiner Cousinen, sehe Männer wie meinen Großvater, meinen Vater, meine Onkel, meine Cousins um ihr Leben rennen.“

Am Mittwoch, 11.11.2026 um 19.30 Uhr liest die Autorin im Gläsernen Foyer der Pfalzbau Bühnen aus ihrem Werk, das in rhythmisiertem Stil klar und nüchtern Ereignisse schildert, die eigentlich nicht erzählbar sind. Moderiert wird die Lesung von der Kulturjournalistin Shirin Sojitrawalla.

Für Vierundsiebzig sprach Othmann mit Betroffenen, Angehörigen und Freund*innen. Dennoch ist ihr Buch keine Reportage, sondern ein dokumentarischer Roman, der reale Geschehnisse beschreibt. Was Othmann zu hören bekam, hätte sie sich nicht ausdenken können. Die Verbrechen, von denen der Roman erzählt, haben etwas Unwirkliches. Man kann kaum glauben, dass eine Terrorgruppe im 21. Jahrhundert am helllichten Tag Frauen verschleppt, vergewaltigt, dass sie mordet, köpft und diese Verbrechen dann auch noch filmt, fotografiert und ausstellt. Die Ästhetisierung der Gewalt durch den IS, aber auch der bewusste Bruch mit allem, was die Grundfesten unseres zivilen Zusammenlebens ausmacht, lässt die Ereignisse verfremdet, fiktional wirken. 

Ronya Othmann, Tochter einer deutschen Mutter und eines kurdisch-êzîdischen Vaters, schreibt Lyrik, Prosa und Essays und arbeitet als Journalistin. Für ihr Schreiben wurde sie viele Male ausgezeichnet, u.a. mit dem MDR-Literaturpreis und dem Caroline-Schlegel-Förderpreis für Essayistik. Ihr zweiter Roman Vierundsiebzig wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert und u.a. mit dem Preis der SWR-Bestenliste 2024 sowie dem Erich-Loest-Preis 2025 prämiert.


Einheitspreis 17 € / ermäßigt 10 €, Kartentelefon 0621/504 2558
Pfalzbau, Ludwigshafen


Quelle: Theater im Pfalzbau


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