Mainz – Der Kultursommer Rheinland-Pfalz 2026 ist zu Ende. Unter dem Motto „Die goldenen Zwanziger“ nahm er die Jahre 1924 bis 1929, eine der ganz großen Blütezeiten von Kunst und Kultur, ebenso in den Blick wie die heutigen 2020er Jahre.
„Rund 260 Projekte, 30.000 Menschen allein beim Auftakt in Kaiserslautern und volle Reihen von der Südpfalz bis in die Vulkaneifel. Das war ein goldener Kultursommer. Die Zwanziger damals und heute haben mehr gemeinsam, als man denkt. Technischer Aufbruch, Emanzipation und Integration, aber auch große soziale Unterschiede und eine Gesellschaft im Umbruch. Die Kulturschaffenden haben genau da hingeschaut und den Blick für diese Parallelen geschärft. So stelle ich mir Kultur vor, nah an den Menschen, mitten im Land und mit Haltung. Danke an alle, die das möglich gemacht haben, an die Künstlerinnen und Künstler, an das Publikum und besonders an die vielen Ehrenamtlichen im ganzen Land.“
Kulturminister Sven Teuber
Der Auftakt vom 1. bis 3. Mai in Kaiserslautern, das in diesem Jahr auch sein 750. Stadtjubiläum feierte, war ein voller Erfolg. Entlang einer Kulturmeile in der Innenstadt und in etablierten Häusern wie der Kammgarn besuchten rund 30.000 Menschen die zahlreichen Veranstaltungen.
„Im ganzen Land gab es profilierte Projekte, die sich intensiv mit dem Motto auseinandergesetzt haben. Auch kleinere Initiativen haben Großartiges geleistet, und die meisten hatten sehr gute Besucherzahlen.“
Teneka Beckers, Geschäftsführerin des Kultursommers
Ein Beispiel für eine gelungene Mottoumsetzung ist „SOS 1928“. Inspiriert vom ältesten erhaltenen Hörspiel in deutscher Sprache entstand ein modernes Live-Hörspiel mit Chormusik vom Kammerchor Plus Obere Nahe. Die Kulturinitiative Untere Winzergasse Gleiszellen-Gleishorbach zeigte die Dreigroschenoper open air an verschiedenen Orten in der Südpfalz. „The Roaring Twenties. Stummfilm, Revue, Avantgarde“ verband selten gezeigte Stummfilme mit live gespielter Filmmusik sowie Avantgarde- und Jazzstücken der Zwanziger und tourte von Trier aus durchs Land. Auch die Klassiker Nosferatu und Metropolis waren an vielen Orten zu sehen und historisch oder modern vertont zu hören, etwa bei den ORGELwochen des Kultursommers.
„Zwei Eier im Glas“ vom Chawwerusch Theater führte ins Romanische Café im Berlin der Zwanziger und verband das mit einer Debatte über Demokratie und ihre Verletzlichkeit. Damit traf das Stück das Motto genau. Im Staatstheater Mainz fand das inklusive Festival Grenzenlos Kultur unter der neuen Leitung von Christina und Elisabeth Schellhas statt, ebenfalls mit starken Bezügen zum Motto.
Weitere Höhepunkte waren das Pferdefest in Piesport an der Mosel, das beim renommierten Reeperbahn Festival mit dem Helga! Festival Award als bestes Festival Deutschlands mit bis zu 5.000 Gästen ausgezeichnet wurde. Erstmals fand das hochkarätig besetzte Festival für Fotografie, Poesie und KI in Neustadt an der Weinstraße und auf dem Hambacher Schloss statt. Die Theaterfestspiele Vulkaneifel feierten ihr fünfjähriges Bestehen und sind in kurzer Zeit zu einer festen Größe in der Region geworden. In Bad Ems begann mit einer Ouvertüre der Neustart des Musikfestivals Offenbachiade: Bis 2030 sollen dort nach und nach die acht Stücke auf die Bühne kommen, die Jacques Offenbach in Bad Ems komponiert und uraufgeführt hat. Längst ein Branchentreffpunkt ist das Festival Kopfüber, das Theatertreffen für junges Publikum in Rheinland-Pfalz. Ausrichter war in diesem Jahr die KUFA Koblenz.
Zu den bekannten Festivals im Rahmen des Kultursommers gehörten die Westerwälder Literaturtage, die sich in fast allen ihrer 28 Veranstaltungen dem Motto widmeten und regen Zulauf hatten, sowie die Burgfestspiele Mayen, die wegen Baumaßnahmen auf eine Interimsspielstätte vor der Herz-Jesu-Kirche auswichen, die sehr gut angenommen wurde. Mit rund 24.000 Gästen an 16 ausverkauften Abenden unterstrichen die Nibelungenfestspiele ihre herausragende Bedeutung für Rheinland-Pfalz. Das Mosel Musikfestival, erstmals unter der Doppelintendanz von Dr. David Maier und Klaus Gasteiger, begeisterte bei 50 Konzerten rund 10.000 Besucherinnen und Besucher.
Insgesamt wurden 2026 rund 260 Projekte mit etwa 4 Millionen Euro gefördert. Rund ein Drittel der Mittel stammt von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, zwei Drittel aus dem Haushalt des Kulturministeriums.
Ausblick 2027
Das Motto 2027 knüpft erneut an die Zwanziger an, setzt aber einen ganz anderen Schwerpunkt. Humorvoll und lustig soll es werden, aber mit kritischem Blick. Es lautet „Wenn man trotzdem lacht. Scherz, Satire und tiefere Bedeutung“. Anlass ist unter anderem das 111-jährige Bestehen des Dadaismus. Eröffnet wird der Kultursommer 2027 in Pirmasens, wo im kommenden Jahr auch Hugo Ball zu seinem 100. Todestag geehrt wird.
Bis zum Antragsschluss am 31. Oktober 2026 sind 236 Anträge mit einer Antragssumme von 1,883 Millionen Euro eingegangen.
Quelle: Ministerium für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur






