Börrstadt – Strahlender Sonnenschein, darüber kreisende Störche – ein Bild wie aus einem Bilderbuch. Doch was sich am vergangenen Samstag, 21.03.2026, zwischen Dreisen und Langmeil abspielte, ließ die Idylle schnell verstummen. Eine gespenstische Stille wird nur unterbrochen von Hilferufen. Bei dieser groß angelegte Katastrophenschutzübung des Donnersbergkreises, proben rund 180 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz gemeinsam den Ernstfall.
Das Szenario: Ein Pkw war auf die Gleise geraten und von einem herannahenden Personenzug erfasst worden. Drei Menschen saßen im Fahrzeug, der Zug kam erst nach einer Notbremsung zum Stehen. In den Waggons stürzten etwa 50 Fahrgäste durcheinander, prallten gegen Sitze und Gänge – viele verletzt, einige schwer. Zudem geriet der Motorraum des Autos in Brand. Als die ersten Feuerwehrkräfte eintrafen, schlugen bereits Flammen aus dem Fahrzeug.

Die Einsatzstelle stellte die Retter vor besondere Herausforderungen: Die Bahnstrecke verläuft dort rund acht Meter unterhalb einer Brücke, umgeben von dichtem Bewuchs und steilen Böschungen. Ein direkter Zugang war kaum möglich. Binnen Minuten traf ein Einsatzfahrzeug nach dem anderen ein. Schläuche wurden mit Seilen hinabgelassen, Feuerwehrleute seilten sich gesichert den Hang hinunter, andere kämpften sich mit Äxten und Motorsägen durch das Gestrüpp. Über eine improvisierte Leitertreppe aus acht Steckleitern entstand schließlich ein Zugang zur Unfallstelle. Kaum unten angekommen, begann ein Teil der Kräfte mit der Brandbekämpfung, während andere die Lage erkundeten. Dann die dramatische Funkmeldung: Unter der Lok liege ebenfalls eine Person.

In den Waggons bot sich ein eindringliches Bild: Zahlreiche Verletzte, dargestellt von realistisch geschminkten Mimen, warteten auf Hilfe. Die medizinische Sichtung begann sofort. Jeder Betroffene wurde untersucht, eingestuft und mit Patientenanhängern dokumentiert. Parallel bauten die Einsatzkräfte Plattformen an den Waggontüren auf, um Verletzte sicher zu bergen. In Korbtragen gesichert, wurden sie über die Leitertreppe nach oben transportiert, wo Rettungssanitäter und insgesamt fünf Notärzte die Erstversorgung übernahmen. Das Übungsszenario endete mit einer Bilanz von neun lebensgefährlich Verletzten, fünf Schwerverletzten und elf Leichtverletzten. Erstmals kam im Donnersbergkreis zudem ein automatisches System zur Patientenverteilung zum Einsatz, das freie Krankenhauskapazitäten erfasste und die Transporte koordinierte. Neben der medizinischen Versorgung kümmerten sich Kriseninterventionsteams auch um die psychologische Betreuung der Betroffenen.
Nach mehreren Stunden endete die Übung – mit erschöpften, aber zufriedenen Gesichtern. Die Verantwortlichen zogen eine positive Bilanz, betonten jedoch auch, dass solche Übungen vor allem dazu dienen, Schwachstellen zu erkennen. Denn genau dafür wird der Ernstfall geprobt.



Quelle: Helmut Dell




