Speyer – Angesichts von Krieg, Leid und gesellschaftlicher Verrohung ruft Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst in ihrer Osterbotschaft dazu auf, an der Hoffnung festzuhalten und sich nicht mit Resignation abzufinden. Ostern stehe für die Kraft des Lebens, das sich selbst dort Bahn breche, wo alles dunkel und erstarrt erscheine.

Wüst spannt in ihrer Botschaft den Bogen von den Krisenherden der Welt bis in den Alltag vor Ort. Sie erinnert an die Not im Gazastreifen, an Menschen in der Ukraine, die ohne Heizung und Licht ausharren, an zerbombte Städte, erschöpfte Helfende und überfüllte Lager. Zugleich blickt sie auf die Lage in Deutschland: auf Hass in sozialen Netzwerken, einen rauer werdenden Ton in Politik und Gesellschaft und auf die Kälte, die auch das Miteinander im Alltag prägt. 

„Glauben an das, was man noch nicht sieht. Das ist Ostern.“

Dorothee Wüst

Ostern sei der Moment, in dem Menschen darauf vertrauen dürfen, dass neues Leben wächst, obwohl vieles dagegenspricht. Es gehe darum, sich nicht mit Hoffnungslosigkeit abzufinden, sondern auf die leisen Zeichen des Lebens zu achten.

Ein zentrales Bild ihrer Botschaft findet Wüst im eigenen Garten: Nach einem langen, harten Winter, in kahler Erde und unter grauem Himmel, blühen plötzlich Veilchen. Für sie ist das ein Osterbild.

„Der grüne Halm der Hoffnung mitten im Grau wird sichtbar – leise, zart und doch unübersehbar. Gerade darin zeigt sich die Kraft von Ostern: neues Leben dort, wo niemand mehr damit rechnet.“

Dorothee Wüst

Wüst erinnert daran, dass die biblische Ostergeschichte nicht in einer heilen Welt beginnt, sondern in Trauer, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Die Frauen am Grab seien mit einem „Winterherzen voller Trauer“ gekommen und hätten erfahren, dass der Tod nicht das letzte Wort behält. Diese Erfahrung, so Wüst, spreche bis heute in eine zerrissene Welt hinein.

Ostern sei deshalb mehr als Trost. Es sei ein Auftrag, dem Frost der Gegenwart Menschlichkeit entgegenzusetzen: mit einem freundlichen Wort, mit einer ausgestreckten Hand, mit Standhaftigkeit und gegenseitiger Unterstützung.

„Sich nicht mit der Hoffnungslosigkeit abfinden – das ist die österliche Haltung, zu der Christinnen und Christen ermutigt werden.“

Dorothee Wüst

Wo Menschen trotz allem weitergingen, einander trügen und auf Gottes lebensschaffende Kraft vertrauten, dort beginne Veränderung, betont Wüst. Ostern verweise nicht nur auf ein fernes Morgen, sondern auf eine Wirklichkeit, die schon jetzt spürbar werde:

„Dass das Leben siegt – nicht irgendwann, sondern schon jetzt. Leise, verborgen, aber sehr real.“

Dorothee Wüst

Zum Schluss ihrer Botschaft verbindet die Kirchenpräsidentin die österliche Hoffnung mit einer klaren Bitte für Gegenwart und Gesellschaft: Die Osterbotschaft stärke dazu, „dem Winter in Welt und Gesellschaft zu wehren“ – im Vertrauen darauf, dass Gott Leben will und schafft.


Veranstaltungshinweis:
Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst predigt am Ostersonntag um 10 Uhr in der Gedächtniskirche Speyer.


Quelle: Evangelische Kirche der Pfalz (Prot. Landeskirche)