Neustadt an der Weinstraße – „Kleine Geschichte der Pfalz“ heißt das neue Buch von Michael Landgraf, das am Dienstag, 15. September, 17:00 Uhr, in der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, Friedrich-Ebert Str. 14, 67433 Neustadt präsentiert wird.
Das kompakte Geschichtswerk zeichnet fundiert und leicht lesbar die Historie der heutigen Region Pfalz wie auch der historischen Kurpfalz nach, denn diese war über Jahrhunderte der Träger des Namens „Pfalz“. Im Vor- und Nachwort reflektiert Landgraf die Entstehung des „Pfalzgefühls“, denn die Pfalz in ihrer heutigen Form existiert erst seit 1816. Zuvor gab es 45 Territorien, die sich teils über Jahrhunderte feindlich gegenüberstanden, so die Leininger (Bad Dürkheim, Grünstadt) und die kurfürstlichen Pfälzer (Neustadt, Kaiserslautern, Germersheim). Literaten wie August Becker, Mundartdichter wie Paul Münch, Künstler wie Heinrich Jakob Fried, Liedertafeln, Trachtengruppen, der Historische Verein der Pfalz, der 1. FC Kaiserslautern sowie aktuell Mundartmusikbands wie „Die anonyme Giddarischde“ oder „Woifeschdkänisch“ und verbindende Symbole wie das Dubbeglas trugen dazu bei, dass dieses Pfalzgefühl entstand und lebendig bleibt.

Das Buch enthält kompakte Exkurse, zahlreiche Fotos u.a. von Jochen Heim, Karten, eine Zeitleiste und ein Überblick über wichtige Personen, die mit der Pfalz verbunden sind. Dazu bietet es Tipps zum Besuch historischer Orte und Museen, ist also auch ein kleiner Reiseführer. Beleuchtet werden Ereignisse von der Jungsteinzeit über die Kelten- und Römerzeit bis ins Mittelalter mit seinen Klöstern und Burgen, Territorien wie die des Fürstbischofs von Speyer, das auch über dem Rhein lag, und das jüdische Leben.
Im zweiten Kapitel geht es um den Träger des Namens „Pfalz“ bis 1816, die Pfalzgrafschaft und das Kurfürstentum Pfalz. Deren Herrschersitz wanderte von Bacharach (Burg Stahleck) nach Heidelberg, von wo aus die Pfalzgrafen Neustadt an der Haardt zum linksrheinischen Zentrum ausbauten, das zeitweise Residenz der Kurpfalz war, mit der Stiftskirche als Grablege des Wittelsbacher Herrscherhauses. War die Pfalz zunächst Einwanderungsland für protestantische Glaubensflüchtlinge, kam es nach 1708 aus religiösen Gründen und Not zu großen Auswanderungswellen. Das Ende der Kurpfalz und verwandter Linien wie Pfalz-Zweibrücken kam durch die Französische Revolution, mit Episoden wie die der Bergzaberner Republik.
Das dritte Kapitel beschreibt die Region in den Grenzen der heutigen Pfalz und Saarpfalz, als Bayerischer Rheinkreis über das Kaiserreich, die Weimarer Republik und die NS-Zeit bis zur Pfalz im Bundesland Rheinland-Pfalz. Ein Schwerpunkt ist die „revolutionäre Pfalz“ mit dem Hambacher Fest von 1832 und der Revolution von 1848-1849, wo Neustadt sowie Kaiserslautern als Sitz einer provisorischen Regierung in der Fruchthalle eine wichtige Rolle spielten. Gesellschaftliche Veränderungen gab es durch die Industrialisierung, als in wenigen Jahren mit Ludwigshafen eine Großstadt aus dem Nichts heraus entstand. Erinnert wird an die Separatisten nach dem Ersten Weltkrieg und die Verfolgung von Menschen, die in der „Volksgemeinschaft“ des NS-Regimes ausgegrenzt wurden.

Im neu geschaffenen Bundesland Rheinland-Pfalz ist das in den 1950er Jahren errichtete Gebäude der ehemaligen Bezirksregierung, die heutige SGD-Süd in Neustadt, ein Begegnungsort der Geschichte. Eine Verbindung gibt es im Buch auch zum SGD-Projekt KuLaDig (Kultur-Landschaft-Digital), an dem Landgraf als Autor mitwirkt und wo, wie im Buch, viele Begegnungsorte zur Geschichte der Pfalz beschrieben werden. In SGD Neustadt findet daher auch die Premiere des Buchs „Kleine Geschichte der Pfalz“ statt, mit SGD-Präsident Prof. Dr. Hannes Kopf, dem Leiter des Verlags regionalkultur Michael Kohler, den Musikern Uli Valnion und Heiner Pfaff und einem Kurzvortrag von Michael Landgraf.
Lesezeichen: Michael Landgraf, Kleine Geschichte der Pfalz. 224 Seiten mit 224 Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen. Fester Einband. Verlag regionalkultur, Ubstdt-Weiher 2026, ISBN 978-3-95505-612-4. EUR 19,90.
Quelle: Michael Landgraf






