Berlin – Um davon satt zu werden, müsste man lange sammeln, aber das Aroma ist unübertroffen. Die rundlichen Früchte der Walderdbeere sind nur einen Zentimeter groß und allzu viele Früchte trägt eine Pflanze nicht. Sie haben jetzt Saison und lassen sich den ganzen Sommer über finden. Reif sind Walderdbeeren, wenn sie sich schon bei leichter Berührung ablösen. Der NABU rät dazu, alle anderen Früchte hängen zu lassen, denn sie reifen nicht nach.

Körbeweise wird man Walderdbeeren kaum nachhause tragen können. Wenn überhaupt, denn sie schmecken am besten von der Hand in den Mund.

„In der christlichen Symbolik soll die Erdbeere für Rechtschaffenheit und fromme Gedanken stehen, im Altertum sah man Verlockung und Sinnenfreude. Ich wäre da eher beim Altertum.“

NABU-Sprecher Helge May

Haben es doch ein paar Walderdbeeren in den Korb geschafft, lassen sie sich ähnlich wie Gartenerdbeeren verwenden, als fruchtige Ergänzung zu Blattsalaten ebenso wie als Smoothie oder in selbstgemachtem Eis. Walderdbeeren-Konfitüre ist ein besonderes Geschmackserlebnis, bei der Zubereitung ist aber Vorsicht geboten: Bei starker Erhitzung können sich aus den Nüsschen unangenehme Bitterstoffe lösen.

Walderdbeeren sind reich an Vitamin C. Sie wachsen sowohl in Laub- wie in Nadelwäldern auf nährstoff- und humusreichen Böden. Sie mögen Licht, aber pralle Mittagssonne wird gemieden. Dank Ausläuferbildung können Erdbeeren freie Flächen an Wegen oder Lichtungen schnell besiedeln. Wer Glück hat, findet dort dichte Erdbeermatten.

Wie Gartenerdbeeren werden Walderdbeeren gerne von Schnecken besucht. Auch bei Mäusen, Eichhörnchen, Dachs und Fuchs stehen die süßen Beeren hoch im Kurs. Amseln und Rotkehlchen bedienen sich ebenso wie Käfer, Wanzen und Ameisen, die so alle zur Verbreitung der Samen beitragen.

„Wer beim Waldspaziergang ein paar Erdbeeren nascht, muss jedoch keine Sorge haben, dass die Waldtiere dadurch Hunger leiden. Zum Natur-Knigge gehört ohnehin, immer auf den Wegen zu bleiben und nur dort Früchte zu pflücken. Da bleibt für die Tiere genug übrig.“

Helge May

Zusatzinformationen:

  • Mehr Schein als Sein: Walderdbeeren sind eigentlich unverwechselbar. Neben der ebenfalls leckeren Zimt- oder Moschuserdbeere wachsen in unseren Wäldern neuerdings auch sogenannte Scheinerdbeeren. Die Früchte dieser ausbreitungsfreudigen asiatischen Art sind essbar, aber nahezu ohne Geschmack. Während reife Walderdbeeren am Stiel überhängen, stehen sie bei der Scheinerdbeere meist aufrecht.
  • Würmer und Viren: Völlig ohne Risiko ist die Selbstbedienung im Wald nicht. Auch Mitteleuropa ist nicht frei von Krankheitserregern und Parasiten. Die Wahrscheinlichkeit, zum Beispiel mit Hantaviren oder Eiern des Fuchsbandwurms in Kontakt zu kommen, ist gering und regional sehr unterschiedlich. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, widersteht der Versuchung des Direktverzehrs und greift erst zu, wenn die Früchte gründlich gewaschen und erhitzt wurden.
  • Waldbeeren-Sommer: Wird im Supermarkt bei Joghurt oder Eis mit „Waldbeeren“ geworben, sind meist Himbeeren, Heidelbeeren und Brombeeren mit abgebildet. Aus dem Wald kommen die Zutaten sicher nicht, aber man kann sie alle im Sommerwald finden. Himbeeren sind jetzt bereits reif, die Heidelbeersaison fängt gerade an und auch bei den Brombeeren geht es bald los.
  • Bodendecker mit Geschmack: In Gärten und im Erwerbsobstbau haben die großfrüchtigen, aus Amerika stammenden Gartenerdbeeren die Walderdbeeren schon vor langer Zeit verdrängt. Dabei lassen sich die kleinen Aromabomben im Garten leicht kultivieren, idealerweise auch hier im Halbschatten, wo die niedrigwüchsigen Pflanzen gute Bodendecker abgeben. Zuchtformen werden oft als sogenannte Monatserdbeeren angeboten.

Quelle: NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V.