Ludwigshafen / Edenkoben – Der Kunstverein Ludwigshafen und die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) geben den Künstler Luis M. S. Santos als Teilnehmer des neuen Forschungsstipendiums und Ausstellungsprojekts Terra Ludovici auf Schloss Villa Ludwigshöhe bekannt.
Das Projekt Terra Ludovici bringt eine zeitgenössische künstlerische Position in Dialog mit der Sammlung Hinder/Reimers, die sich seit 2005 im Gewölbekeller der Villa Ludwigshöhe befindet. Die 1.587 Objekte umfassende Sammlung dokumentiert die Entwicklung der westdeutschen Studiokeramik von 1955 bis 1990. Sie bildet den Ausgangspunkt für die künstlerische Forschung und die Entwicklung einer neuen Arbeit.
Eine internationale Jury wählte Luis M. S. Santos aus einem Kreis nominierter Künstler aus. Ihr gehörten Julika Bosch, unabhängige Kuratorin und Autorin, Düsseldorf; Ameli M. Klein, Direktorin des Kunstvereins Ludwigshafen; Rosa Tyhurst, Kuratorin bei Gasworks, London; sowie Martina Yordanova, Kuratorin an der National Gallery, Sofia, und Kuratorin des bulgarischen Pavillons der 61. Internationalen Kunstausstellung der Biennale di Venezia, an.
Im November 2026 wird Santos ein zweiwöchiges Forschungsstipendium in Edenkoben und auf Schloss Villa Ludwigshöhe absolvieren. Im Mittelpunkt stehen die unmittelbare Auseinandersetzung mit der Sammlung Hinder/Reimers sowie der besondere architektonische und landschaftliche Kontext der ehemaligen königlichen Sommerresidenz. Gemeinsam mit der Kuratorin Ameli M. Klein wird er die Sammlung erforschen und Werke auswählen, die später mit einer neu für das Projekt entwickelten Arbeit in Dialog treten. Während des Forschungsstipendiums ist Santos im Künstlerhaus Edenkoben der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur untergebracht, das Terra Ludovici zugleich als Kooperationspartner unterstützt.
Im Anschluss an das Forschungsstipendium setzt Santos die Produktion der neuen Arbeit in seinem Atelier in Porto fort. Im Frühjahr 2027 mündet das Projekt in eine Ausstellung im Gewölbekeller von Schloss Villa Ludwigshöhe, in der die Neuproduktion mit ausgewählten Objekten der Sammlung zusammengeführt wird.
Die 1852 als Sommerresidenz für König Ludwig I. von Bayern errichtete Villa Ludwigshöhe verbindet Architektur, Landschaft, höfische Geschichte und eine bedeutende Sammlung der Nachkriegskeramik. Terra Ludovici versteht diese Konstellation nicht als Kulisse, sondern als Ausgangspunkt zeitgenössischer künstlerischer Forschung. Das Stipendium lädt dazu ein, die Sammlung aus heutiger Perspektive neu zu befragen und Verbindungen zwischen Materialgeschichte, Wissensformen, kulturellem Gedächtnis und zeitgenössischer Produktion herzustellen.
Santos’ Praxis setzt an diesen Fragen unmittelbar an. In Skulptur, Zeichnung, Video und Performance untersucht er Machtverhältnisse, Ausbeutung, Erinnerung und das sich verändernde Verhältnis des Menschen zur natürlichen Umwelt. Keramik nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Santos begreift Ton als Träger historischen und überlieferten Wissens und hinterfragt zugleich die Grenzziehungen zwischen Kunst und Design, Ästhetik und Gebrauch. Häufig verbindet er Keramik mit Holz und Metall und setzt unterschiedliche materielle Geschichten zueinander in Beziehung.
Terra Ludovici wurde vom Kunstverein Ludwigshafen und der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer, gemeinsam entwickelt. Die Auswahl der Künstler:innen erfolgte über ein Nominierungsverfahren. Es wurden zehn Künstler:innen eingeladen, Portfolios einzureichen, die anschließend von einer internationalen Jury gesichtet werden. Unaufgefordert eingesandte Bewerbungen werden nicht berücksichtigt.
LUIS M. S. SANTOS
Luis M. S. Santos (*1993) ist ein mosambikanischer multidisziplinärer Künstler, der mit Skulptur, Zeichnung, Video und Performance arbeitet. 2016 schloss er sein Studium an der Faculty of Fine Arts der University of Porto ab. Von 2017 bis 2026 lehrte er Zeichnung an der Faculty of Arts des Higher Institute of Arts and Culture in Mosambik.
Seine Arbeiten wurden in Mosambik, Südafrika, Schottland, Spanien, Pakistan und Portugal gezeigt. Zu den ausgewählten Ausstellungen und Projekten zählen Aquilo que o corpo já esqueceu im Franco-Mozambican Cultural Centre, Maputo (2019), die Ausstellung zum Paulo Cunha e Silva Award in der Porto Municipal Gallery (2023) sowie seine dritte Einzelausstellung menino, não fala política bei Reservoir, Kapstadt (2025).
2023 erhielt Santos den Paulo Cunha e Silva Award, den Prince Claus Seed Award und den Mozal Arts and Culture Award. Seine Praxis untersucht soziale und politische Ungleichheiten aus einer afrikanischen Perspektive und verhandelt Fragen von Macht, Erinnerung, Ausbeutung, Zugehörigkeit und möglichen Zukünften. Durch materielle Experimente und Assemblagen gibt er übersehenen Geschichten und marginalisierten Stimmen Form und sucht zugleich nach Möglichkeiten von Verbindung und Koexistenz.
JURY 2026
Julika Bosch
Unabhängige Kuratorin und Autorin in Düsseldorf. Bis 2026 leitete sie die Sammlung Philara; zuvor war sie an der Kestner Gesellschaft in Hannover tätig. Ihre Praxis umfasst Ausstellungen, Texte und interdisziplinäre Projekte.
Ameli M. Klein
Ameli M. Klein ist Kuratorin, Autorin und Direktorin des Kunstvereins Ludwigshafen. 2026 ist sie Stipendiatin der Anna Polke-Stiftung in Köln; im Frühjahr 2027 Visiting Fellow am Bard Graduate Center in New York; zudem Curatorial Research Fellow an der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte in Rom.
Rosa Tyhurst
Kuratorin bei Gasworks in London mit Schwerpunkt auf Ausstellungen, internationalen Residenzen sowie öffentlichen und partizipativen Programmen. Zuvor war sie für Nottingham Contemporary und Spike Island, Bristol, tätig.
Martina Yordanova
Kuratorin an der National Gallery in Sofia, Gründerin und künstlerische Leiterin des IATRUS Residency Program in Veliko Tarnovo sowie Gründungsmitglied des Eastern Balkans Institute for Art and Architecture. 2026 kuratierte sie The Federation of Minor Practices, den bulgarischen Pavillon der 61. Internationalen Kunstausstellung der Biennale di Venezia.
TERRA LUDOVICI
| PROJEKT | Gemeinsames Foschungsstipendium und Ausstellungsprojekt von Kunstverein Ludwigshafen und GDKE, Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer |
| KÜNSTLER | Luis M. S. Santos |
| FORSCHUNGSSTIPENDIUM | November 2026 |
| AUSSTELLUNG | Frühjahr 2027 |
| ORT | Villa Ludwigshöhe, Edenkoben (Rheinland-Pfalz) |
| KURATORIN | Ameli M. Klein |
Quelle: Generaldirektion Kulturelles Erbe






