Klingenmünster / Lambrecht – Inwiefern übernehmen Schäferinnen und Schäfer mit ihren Weidetieren Landschaftspflege? Welche schützenswerte Arten leben in der waldreichen Kulturlandschaft des UNESCO Biosphärenreservats Pfälzerwald primär auf Wiesen und Weiden? Welche Erfolge kann das Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ im Bundesförderprogramm chance.natur beim Schutz solcher Lebensräume vorweisen und vor welchen Herausforderungen steht das Projektteam?

Um diese Themen und einen Blick in die Zukunft ging es in der vergangenen Woche bei einem Treffen der projektbegleitenden Arbeitsgruppe (PAG), die sich aus Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten Ministerien, Kommunen, Behörden, Naturschutzverbänden sowie Beweiderinnen und Beweidern zusammensetzt. Treffpunkt der Arbeitsgruppe war die Klingbachhalle in Klingenmünster. Von dort aus führte das Hirtenwege-Team die Gruppe zu einer beweideten Projektfläche auf den Schlossberg. 

„Unsere Kulturlandschaft bietet mit ihrem Wechsel zwischen Wald und Wiesen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen. Dazu zählen beispielsweise Schmetterlinge wie der Ameisenbläuling, das Schwarzkelchen oder auch die unter dem Namen ‚geflecktes Knabenkraut‘ bekannte Orchidee. Im vergangenen Jahr konnten wir bestehende Projektflächen weiterentwickeln und neue Flächen gewinnen,“

erklärte Sandrina Schwab, die neue Teamleiterin und Nachfolgerin von Helmut Schuler, der dieses Jahr in Ruhestand ging. Als Beispiele nannte das Team Projektflächen in Annweiler-Gräfenhausen, Lindenberg, Neustadt oder Klingenmünster. Bevor jedoch Schafe grasen, sei eine aufwändige Vorbereitung nötig: Bäume werden entnommen, Zauntrassen freigeschnitten, Rahmenvereinbarungen geschlossen und Ziegen zur Biotoperstpflege eingesetzt, bevor andere Tiere die Flächen beweiden sollen. Besondere Herausforderung sei der heiße, trockene Sommer gewesen, insbesondere in Bezug auf knappe Futtermittel, Hitzestress und Schatten für die Weidetiere. Mit Blick auf die zunehmende Erderwärmung ergänzte der stellvertretende Bezirkstagsvorsitzende Dr. Klaus Weichel:

„Dem Brandschutz durch Beweidung gilt ein besonderes Augenmerk, hier und weltweit.“

Das Hirtenwege-Team (v.l.n.r.): Morgan Alisch, Isabell Mansmann, Andrea Burkard, Sandrina Schwab, Sabrina Hofmann und Andreas Hummel. (Foto: Biosphärenreservat)
Das Hirtenwege-Team (v.l.n.r.): Morgan Alisch, Isabell Mansmann, Andrea Burkard, Sandrina Schwab, Sabrina Hofmann und Andreas Hummel. (Foto: Biosphärenreservat)

Zu den besonders schützenswerten Arealen gehören neben Streuobstwiesen auch Trockenmauern, die sich häufig auf alten Kulturflächen finden und einzigartige Bedingungen für eine Vielzahl unterschiedlicher Lebewesen bieten. Davon konnte sich die projektbegleitende Arbeitsgruppe beim Gang über den Schlossberg anhand eines Zufallsfundes überzeugen: an einer Pflanze auf der Mauer entdeckten sie das Ei-Gelege einer schützenswerten Schmetterlings-Zielart aus der Familie der Bläulinge.

„Der Austausch mit vielen verschiedenen, fachkundigen Akteurinnen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Wir freuen uns sehr, dass wir mit rund 50 Personen eine große Gruppe waren. Für eine erfolgreiche Umsetzung neuer Hirtenwege im Pfälzerwald ist es wichtig, die Akteure vor Ort kennen zu lernen, sich auszutauschen und die aktuellen Gegebenheiten in die Projektarbeit einfließen zu lassen. Ein zentraler Baustein unserer Arbeit ist es zudem, das Verständnis und die Akzeptanz in der Bevölkerung für diese essenzielle Naturschutzmaßnahmen zu fördern.“

Sandrina Schwab

Ziel für die Zukunft sei es, weitere Flächen zu akquirieren, die Weideinfrastruktur mit Zäunen, Wasserversorgung und der Öffnung von Triftwegen weiter zu verbessern und mit der Öffentlichkeit in Kontakt zu bleiben. Neben Informationsveranstaltungen soll es künftig eine Wanderausstellung zum Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ sowie weitere fachbezogene Arbeitsgruppen geben.

Weitere Informationen online unter www.hirtenwege-pfaelzerwald.de.

Quelle: UNESCO Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen