Jockgrim – Mit einem schwungvollen Auftakt startete der diesjährige Rosenmontagstreff in der Verbandsgemeindeverwaltung und verwandelte das Verwaltungsgebäude für einige Stunden in eine denkmalgeschützte Hochburg närrischer Lebensfreude. Traditionell statteten die Abordnungen der Faschingsvereine aller vier Dörfer der Verwaltung ihren Besuch ab und sorgten mit Wortwitz, Musik und guter Laune für ausgelassene Stimmung.

Den musikalischen Auftakt übernahmen Karl Heinz Schnorr und Peter Wünstel, die mit ihrem eigens komponierten Lied „Am Geländer“ das Publikum begeisterten und von der ersten Minute für eine schwungvolle Atomsphäre sorgten. Im Anschluss brachten die Rednerinnen und Redner der vier Ortsgemeinden mit ihren humorvollen Beiträgen den Saal zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Sie unterstrichen einmal mehr den lebendigen Zusammenhalt in der Verbandsgemeinde.

Mit einem Augenzwinkern ist Fasenacht eine ernste Sache

Bürgermeister Karl Dieter Wünstel ließ es sich auch dieses Jahr nicht nehmen, die närrische Schar mit einer Ansprache zu begrüßen und seine Wertschätzung für das karnevalistische Engagement in den Ortsgemeinden auszudrücken. Er betonte in seiner Rede augenzwinkernd Fasenacht sei eine ernste Sache. Mit humorvoller Schärfe griff er aktuelle Diskussionen rund um die Umzüge auf. Über das Ordnungsamt werde hergezogen und so lange nichts passiere, meckere jeder gerne rum, „wenn doch, wirds‘ für mich eh bissl dumm.“, so Wünstel. Für besondere Heiterkeit sorgte sein Rückblick auf die Büttenrede von Franz Seeber bei der Rheinzaberner Prunksitzung, der ihn in einer Sitzung imitierte und persiflierte. Inhaltlich sei der Vortrag gelungen, amüsant, inhaltlich weitestgehend echt- nur das Kostüm, das war halt schlecht. Mit voller Glatze habe Franz Seeber ihn dargestellt, sodass er beinahe „vom Platze“ gefallen sei. Schließlich, so stellte er klar, sei doch eher der Landrat „der mit ohne Haar“. Als närrische Revanche überreichte er Hans-Peter Berdel stellvertretend für Franz Seeber ein kleines Geschenk: ein Tütchen echten „Haarschmucks“, damit das Kostüm künftig authentischer werde – quasi „echt KDW“, wie er scherzhaft anmerkte. Es täte ihm dann optisch „nimmie weh“.

An einem Abend Stimmung für drei

Rebecca Großardt und Tanja Kroworsch freuten sich in einem humorvollen, pälzischen Dialog sichtlich, dass Hatzenbühl erneut an einem Tag Stimmung für drei gemacht hat – genauso wie schon im Vorjahr. Beeindruckend: die Teilnehmerzahl war dieses Jahr viermal so hoch wie 2025. „Wer ämol in Hatzenbühl war, will nie wirrer geh.“ Auf ihren Streifzügen durch die Verbandsgemeinde sammelten sie viele schöne Eindrücke. Verwundert waren sie allerdings, dass fast überall hinter der Bühne Schminke zum Einsatz kommt – in Hatzenbühl hingegen könne man darauf verzichten, die Menschen seien von Natur aus „schää“. Eine besondere Anekdote erzählten sie vom Techno-Boot, das der Pfarrer auf dem Erlenbach von Rheinzabern bis Leimersheim lenken möchte. Dass der Erlenbach auch in Hatzenbühl fließt, habe er wohl bei der Planung vergessen. Sie stellten sich zwischendurch die Frage, warum nicht auch in Hatzenbühl ein Faschingsprinz gesucht wird. Immerhin habe man wieder eine schöne Faschingsprinzessin und in Hatzenbühl ein paar hübsche Buwe.

Elias hatte nach seiner „Geedel“ das Schlusswort: „Mir sind echt die Knaller – juchee!“ Besonders gefreut hat ihn, dass auch der Ortsbürgermeister immer dabei sei. Die Hatzenbühler Fastnachter hatten ihm sogar ein eigenes Lied gedichtet, um zu zeigen, dass er vor der Arbeit nie zurückschreckt.

Eine Heimat, in der Konfetti noch bis Ostern auftaucht: weniger Ich, mehr Wir

André Westfeld von den Jockgrimer Fasenachtern schlug nachdenkliche Töne an. Sein „innerer Büttenredner“ habe spontan freigenommen, bekannte er – ihm sei es vielmehr nach einem ehrlichen Wort unter Fasenachtern gewesen. Seine Rede stellte er unter die Überschrift: „Warum wir das Licht anlassen“. Westfeld erinnerte sich an seine Kindheit in Köln. Beim Großvater standen Tür und Hoftor offen, während draußen der Umzug vorbeizog, für alle war Essen und Trinken da. „Jede Jeck is anders – Hauptsach, du hast dein Herz am rechten Fleck“, habe der Opa stets gesagt. Ein Ort, an dem jeder dazugehört – dieses Gefühl sei bis heute sein Antrieb, so Westfeld. Er sprach auch davon, dass die Zeiten rauer geworden seien und man den Frust des Alltags nicht immer an der Garderobe abgebe. Wo viel Herzblut investiert werde, entstünden auch Reibungen. Doch seine Antwort auf alle Zweifel laute: „Jetzt erst recht.“ Denn aus einem Hobby werde Heimat – eine Heimat, in der Konfetti noch bis Ostern auftauche und man nicht mehr wisse, von welcher Sitzung es stammt. Für diese besonderen Momente – lachende Gesichter, Umarmungen, Freudentränen – lohne sich der Einsatz. Das Licht strahle nur, wenn man Hand in Hand zusammenstehe: weniger Ich, mehr Wir. Und die Jungen brauche man nicht als Statisten, sondern als Macher. Wenn wir das Tor offenhalten, so sein Appell, dann halten wir auch gemeinsam das Licht am Leuchten.

Entscheidend ist nicht das Wetter, sondern die Gemeinschaft und die Freude

Christian Lauer aus Rheinzabern blickte zunächst schelmisch auf 75 unfallfreie Umzugsjahre in Rheinzabern zurück: „75-mal die Rappengasse rauf, 75-mal mit dem Gegenzug wieder runter. Nun ist Schluss – es war ein eindeutiger Ordnungsamtsbeschluss“. Verschmitzt brach er ausdrücklich auch eine Lanze für das Ordnungsamt, denn für Sicherheitsauflagen trage man zwar Verantwortung, für das Umzugswetter könnten selbst die Mitarbeitenden nun wirklich nichts.  Stolz stellte er das Rheinzaberner Prinzenpaar Johannes I. und Delia I. vor. Gemeinsam mit ihnen werde deutlich, wie lebendig und vielfältig das närrische Brauchtum in den einzelnen Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Jockgrim gepflegt wird. So seien die Hatzebühler gewissermaßen die „Gallier“ der Verbandsgemeinde und hätten bereits am Fastnachtsfreitagabend einen tollen Umzug gefeiert. Die Jockgrimer würden am Rosenmontag nachziehen, ehe der Rheinzaberner Umzug am Dienstag die närrische Zeit in der Verbandsgemeinde Jockgrim kröne. Und eines gelte bei allen Veranstaltungen gleichermaßen: Das Wetter spielt letztlich keine Rolle – entscheidend sind die Menschen, die Gemeinschaft und die Freude an der Fasenacht.

Heit werd gelacht, denn es esch Fasenacht

Zum krönenden Abschluss des Rosenmontagstreffs ließ der musikalische Beitrag aus Neupotz das närrische Herz des Publikums nochmals höherschlagen. Mit dem mitreißenden Lied „Es esch Fasenacht“ brachte der 9er Rat, allen voran Katlen Gehrlein, die Narren und Närrinnen der Verbandsgemeinde zum Mitsingen, Klatschen und Schunkeln. Sofort war spürbar, warum Neupotz als singendes Dorf „ mit eicheni Sprooch“ in der Fastnachtszeit längst Kultstatus genießt. 

„In Neipotz kimmscht immer se schboot wecher Äbahstrooß un Parkverbot“, scherzten die Redner, doch das hält niemanden dort davon ab, ausgelassen mitzufeiern. „Zu derer Zeit sin die Narre in der Macht“, und dieses Lebensgefühl überträgt sich in jedem Lachen. Der 9er Rat und die Bunten Abende in Neupotz stehen – wie alle wunderbaren Faschingsveranstaltungen in den vier Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Jockgrim – für die Leidenschaft, Kreativität und Gemeinschaftsgefühl – ein echtes Erlebnis für Jung und Alt, bei dem Frohsinn und Tradition Hand in Hand gehen.


Auf dem Foto (v.l.): Bürgermeister Karl Dieter Wünstel, Stefan Gehrlein (Ortsbürgermeister von Neupotz), German Guttenbacher (Ortsbürgermeister von Jockgrim), Sabrina Welker (Ortsbürgermeisterin von Rheinzabern), Steffen Scherer (Ortsbürgermeister von Hatzenbühl)


Quelle: Verbandsgemeindeverwaltung Jockgrim