Pirmasens – Die wechselvolle Geschichte von Pirmasens bewegt Touristen wie Bewohner der Siebenhügelstadt gleichermaßen. Im vergangenen Jahr haben 229 Interessierte an den offenen Gästeführungen teilgenommen.
Vor diesem Hintergrund hat Stadtarchivarin Heike Wittmer zusammen mit ihren Mitarbeitern Norman Salzmann und Peter Felber in enger Abstimmung mit den 15 Gästeführern auch für 2026 wieder ein abwechslungsreiches Programm konzeptioniert. Zwischen Februar und November werden zehn Termine zu unterschiedlichen Themenkomplexen angeboten, darunter zahlreiche Premieren.
Zum Auftakt heißt es am 7. Februar „Stars and Stripes, Hightech und Fußball“. Die Husterhöhe blickt auf eine außergewöhnliche Entwicklung zurück – vom bedeutenden US-Militärstandort zum modernen Zentrum für Bildung, Innovation, Sport und Wirtschaft. Per Omnibus erkunden die Teilnehmer die vielfältigen Stationen dieses Wandels und erfahren mehr über die Zeit der amerikanischen Garnison, die das Leben in Pirmasens jahrzehntelang prägte. Heute präsentiert sich die Husterhöhe als lebendiger Stadtteil mit zukunftsorientierter Ausrichtung: Hier befinden sich die Hochschule Kaiserslautern (Campus Pirmasens), das Innovations- und Gründerzentrum ISC, das renommierte Prüf- und Forschungsinstitut PFI, moderne Unternehmen wie die Convar Deutschland GmbH, die Automeile sowie ein vielfältiger Sportpark.
„Karoline erzählt“ heißt es am 7. März. In diesem Jahr jähren sich gleich zwei bedeutende Ereignisse: der 305. Geburtstag von Karoline von Hessen-Darmstadt, die 1721 geboren wurde, und der 285. Jahrestag ihrer Eheschließung mit Landgraf Ludwig XI. im Jahr 1741. Anlass genug, die Geschichte von Pirmasens aus einer besonderen Perspektive zu betrachten – aus Sicht der Landgräfin selbst. Wie kaum eine Frau ihrer Zeit prägte sie das politische und gesellschaftliche Leben – meist im Hintergrund, doch mit klarem Verstand und starker Haltung. Originale Auszüge aus Briefen geben Einblick in ihre Gedankenwelt und verleihen der historischen Darstellung persönliche Tiefe. Ihre musischen Interessen standen im Widerspruch zu denen ihres Ehemanns, der sich für das Militär begeisterte. Entlang ihrer Briefe wird die besondere Beziehung der beiden beleuchtet. Die Führung findet im Stadtmuseum Altes Rathaus sowie als Vortrag im Landgrafensaal des Hauses statt.
Unter dem Motto „Wo Wissen beginnt“ widmet sich die Führung am 4. April den Schulen und deren Entwicklung. Das Stadtbild von Pirmasens wird bis heute geprägt von den markanten Industriebauten der ehemaligen Schuhmetropole, aber auch von den Schulgebäuden aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Die Bauten stehen sinnbildlich für eine Zeit des Umbruchs und des städtischen Wachstums, insbesondere seit der großen Stadterweiterung um 1890. Damals entstanden neue Wohnviertel, in denen das jeweilige Schulhaus häufig den Mittelpunkt des Quartiers bildete. Die allgemeine Schulpflicht wurde bereits im 18. Jahrhundert eingeführt – zunächst mit zahlreichen Ausnahmen und abhängig von der Feld- und später der Fabrikarbeit der Kinder. Das Bildungssystem jener Zeit war stark gegliedert: auf der einen Seite die Elementarschulen für breite Bevölkerungsschichten, auf der anderen Seite die sogenannten Lateinschulen, die eine sprachlich geprägte Ausbildung vermittelten. Erst durch eine Reihe umfassender Reformen entstand ein humanistisch ausgerichtetes Schulwesen mit dem Ziel, Bildung unabhängig von der Herkunft zugänglich zu machen.
Auch für die Kleinen ist etwas dabei: Die Führung „Das Handwerk des Schuhmachers“ am 2. Mai richtet sich an Kinder im Grundschulalter und verbindet die spannende Stadtgeschichte mit einem kreativen Mitmachprogramm. Gemeinsam besuchen die Kinder den Schlossbrunnen, den Schusterbrunnen sowie das Schuhmuseum im Alten Rathaus. Die Kinder erfahren, wie Schuhmacher früher gearbeitet haben, was es mit den Brunnen auf sich hat und welche Bedeutung das Handwerk in ihrer Stadt hatte. Zum Abschluss dürfen alle Kinder selbst aktiv werden: Aus echtem Leder gestalten sie kleine Schlüsselanhänger oder witzige Ledertiere zum Mitnehmen.
Die Führung „Trommelschlag und Exerzieren“ am 6. Juni bietet einen lebendigen Einblick in eine Epoche, in der Marschmusik und Uniformen zum Alltag gehörten, und lässt ein bedeutendes Kapitel der Stadtgeschichte wieder aufleben. Trommelwirbel, Exerzieren und Paraden – die Geschichte der Pirmasenser Grenadiere ist untrennbar mit der Entwicklung von Pirmasens verbunden. Im Mittelpunkt steht Landgraf Ludwig IX., der Pirmasens im 18. Jahrhundert zur Garnison ausbauen ließ. Zwischen Drillplätzen, Kasernengebäuden und historischen Straßenabschnitten wird deutlich, wie stark die Präsenz der Grenadiere auf das Stadtbild wirkte – nicht nur militärisch, sondern auch in gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht. Thematisiert werden sowohl der Alltag der Soldaten als auch ihre Bedeutung für das städtische Leben.
„Uff de Spure von de Alt Bärmesenser“ heißt es am 4. Juli. Eine geografische und sprachliche Reise ins Herz von Pirmasens erwartet die Teilnehmer dieser Mundartführung. Ausgangspunkt ist der Kern des alten Dorfes – der Wedebrunnen –, von dem aus sich das historische Pirmasens entwickelte. Alte Gassen wie die Häfnersgasse, Brunnengasse, Hirtengasse oder die heute nicht mehr existierende Kümmelgasse erzählen von der ursprünglichen Struktur der Stadt und ihrem Wandel im Laufe der Zeit. Im Mittelpunkt stehen typische Redensarten, Anekdoten und Wortherkünfte – etwa die Frage, woher der Begriff „Quetschebach“ stammt oder warum der „Katzenbrunnen“ seinen Namen trägt. Die Führung findet in Bärmesenser Dialekt statt und wird durch unterhaltsame Beiträge aus dem Werk regionaler Mundartdichter ergänzt. Ein kurzweiliger Streifzug durch Sprache, Geschichte und Stadtentwicklung, der einen besonderen Blick auf die Eigenheit und den Humor der Alt-Bärmesenser wirft.
Am 1. August widmet sich die Führung „Vom Leder zum Schuh“ der Industriegeschichte in Pirmasens. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie aus einer Tierhaut ein fertiger Schuh wurde und welche Bedeutung dieser Industriezweig für die Stadtgeschichte hatte. Dabei wird der Weg von der Rohhaut über die verschiedenen Verarbeitungsschritte bis zum Endprodukt nachvollzogen – von der Gerbung und Lederverarbeitung bis hin zu Schnitt, Montage und Endfertigung. Ergänzt wird die Darstellung durch historische Hintergründe zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung, die eng mit dem Aufstieg von Pirmasens zur bedeutenden Industriestadt verbunden sind. Eine Führung, die die Geschichte eines prägenden Wirtschaftszweigs für Pirmasens nachzeichnet.
Mit der Führung „Literarischer Spaziergang“ am 5. September lernen die Teilnehmer die vielfältigen Formen der schreibenden Kunst kennen: Gedichte, Notizen, Erzählungen, die nicht nur gelesen, sondern im Gehen erlebt werden. Ein Spaziergang, bei dem Sprache den Weg weist: Autorinnen und Autoren treten in Erscheinung – durch ihre Texte, ihre Beobachtungen, ihre Lebensspuren. Ausgewählte Passagen aus den Werken von Bertel Pardall, Elmy Lang, Ludwig Kieffer und Erneste Fuhrmann-Stone begleiten die Teilnehmer auf ihrem Spaziergang. Ihre Texte, geprägt von persönlicher Handschrift und dichter Atmosphäre, sind in und mit Pirmasens gewachsen – mit feinen Beobachtungen, zeitlosen Bildern und leisen Zwischentönen. Eine literarische Spurensuche im Stadtraum – zwischen Sprache, Erinnerung und Gegenwart.
Im Oktober begeben sich Interessierte auf eine spannende Zeitreise durch 255 Jahre Stadtgeschichte! Bei der Führung „Vom Grundstein bis zum Glockenturm“ am 3. Oktober entdecken sie die architektonischen Besonderheiten und historischen Meilensteine des Alten Rathauses – von der feierlichen Grundsteinlegung im Jahr 1771 bis zum Bau des markanten Glockenturms. Zudem erfahren sie, wie sich das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte wandelte, welche Geschichten seine Mauern erzählen und welche Bedeutung es bis heute für die Stadt besitzt. Ein besonderes Highlight ist die Besichtigung des Glockenturms mit seinem historischen Glockenspiel.
Zum Abschluss steht die Führung am 7. November unter dem Titel „Erinnerung bewahren“ und beleuchtet die Ereignisse rund um die Pogromnacht vom 9. November 1938. Im Mittelpunkt stehen der Ablauf der Pogromnacht, ihre politischen und gesellschaftlichen Hintergründe sowie die konkreten Auswirkungen auf das jüdische Leben vor Ort. Thematisiert werden unter anderem die Zerstörung der Pirmasenser Synagoge, die Schicksale jüdischer Leben vor Ort sowie die schrittweise Ausgrenzung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung. Auch die Rolle politischer Akteure und lokaler Parteistrukturen wird beleuchtet – insbesondere im Zusammenhang mit der Vorbereitung und Durchführung antisemitischer Maßnahmen. An den Stationen im Stadtgebiet wird aufgezeigt, wie eng das jüdische Leben mit dem wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Alltag verbunden war – und wie es durch Verfolgung, Boykott und Gewalt systematisch ausgelöscht wurde.
Info: Die offenen Gästeführungen finden jeden ersten Samstag zwischen Februar und November statt. Beginn aller Führungen ist jeweils um 14.30 Uhr. Die Touren dauern in der Regel rund 90 Minuten. Das Angebot „Vom Grundstein bis zum Glockenturm“ sowie die Bustour auf der Husterhöhe sind mit zwei Stunden veranschlagt.
Erwachsene zahlen für die Teilnahme pro Person sieben Euro; Kinder (bis 14 Jahre) sind frei. Abweichende Preise gelten für die Bustour (jeweils 17 Euro) und die Führung am 3. Oktober: „Vom Grundstein bis zum Glockenturm“, inkl. Museumseintritt: 9,50 Euro. Eine Anmeldung für die Bustour ist unbedingt erforderlich. Weitere Auskünfte erteilt das Stadtarchiv unter den Telefonnummern 06331 / 842299 oder 842832.
Auf einen Blick:
- 7. Februar 2026: „Stars and Stripes, Hightech und Fußball“ – Stadtrundfahrt auf der Husterhöhe
Treffpunkt: Busbahnhof in der Schäferstraße
Dauer: etwa 120 Minuten - 07. März 2026: „Karoline erzählt“: Eine Führung aus der Sicht der Landgräfin
Treffpunkt: Stadtmuseum Altes Rathaus, Hauptstraße 26
Dauer: etwa 90 Minuten - 04. April 2026: „Wo Wissen beginnt“: Ein Spaziergang zur Pirmasenser Schulwelt
Treffpunkt: Stadtmuseum Altes Rathaus, Hauptstraße 26
Dauer: etwa 90 Minuten - 02. Mai 2026: „Das Handwerk des Schuhmachers“: Kinderführung mit Bastelspaß
Treffpunkt: Stadtmuseum Altes Rathaus, Hauptstraße 26
Dauer: etwa 90 Minuten - 06. Juni 2026: „Trommelschlag und Exerzieren“: Die Pirmasenser Grenadiere
Treffpunkt: Stadtmuseum Altes Rathaus, Hauptstraße 26
Dauer: etwa 90 Minuten - 04. Juli 2026: „Uff de Spure von de Alt Bärmesenser“: Pirmasenser Mundartführung
Treffpunkt: Stadtmuseum Altes Rathaus, Hauptstraße 26
Dauer: etwa 90 Minuten - 01. August 2026: „Vom Leder zum Schuh“: Industriegeschichte in Pirmasens
Treffpunkt: Eingang Strecktal, Fröhnstraße
Dauer: etwa 90 Minuten - 05. September 2026: „Literarischer Spaziergang“: Aus der Sicht der schreibenden Kunst
Treffpunkt: Schusterbrunnen vor der Lutherkirche
Dauer: etwa 90 Minuten - 03. Oktober 2026: „Vom Grundstein bis zum Glockenturm“: 255 Jahre Altes Rathaus
Treffpunkt: Stadtmuseum Altes Rathaus, Hauptstraße 26
Dauer: etwa 120 Minuten - 07. November 2026: „Erinnerung bewahren“: Die Reichspogromnacht in Pirmasens
Treffpunkt: Stadtmuseum Altes Rathaus, Hauptstraße 26
Dauer: etwa 90 Minuten
Quelle: Stadtverwaltung Pirmasens




