Neustadt an der Weinstraße – Mit der Ausstellung „Landschaften des Inneren“ präsentiert der Kunstverein Neustadt an der Weinstraße vom 06. bis 22. November 2026 die beiden Künstlerinnen Ann-Kathrin Krächan und Boglárka Balassa in der Villa Böhm. Beide Künstlerinnen wurden im vergangenen Jahr mit dem Preis „Junge Kunst in der Villa Böhm“ ausgezeichnet. Die nun folgende Duo-Ausstellung führt ihre künstlerischen Positionen zusammen und eröffnet einen Dialog über Natur, Materialität, Wahrnehmung und innere Prozesse.

Besonders ist dabei, dass die Ausstellung von den Künstlerinnen selbst kuratiert wird. Unter dem Titel „Landschaften des Inneren“ beschäftigen sie sich mit den Wirkungen natürlicher Materialien und Prozesse auf den Menschen. Die „innere Landschaft“ wird dabei als ein psychischer Raum verstanden, der sich – ähnlich einer natürlichen Landschaft – unter dem Einfluss seiner Umgebung fortwährend verändert.

In einer Gegenwart, die zunehmend von digitalen Medien und beschleunigten Kommunikations- und Arbeitsprozessen geprägt ist, stellen die Künstlerinnen die Frage nach unserem Verhältnis zur Natur und zugleich zu uns selbst. Ihre Antwort liegt in einer bewussten Hinwendung zu organischen Materialien und traditionellen, zeitintensiven Arbeitsweisen.

Foto: Johny Lindner

So arbeitet Boglárka Balassa unter anderem mit pflanzengefärbten Stoffen, Schafvlies und pflanzlichen Rohstoffen. Durch die Verwendung von Färberpflanzen entstehen Farbtöne und Strukturen, die unmittelbar aus natürlichen Prozessen hervorgehen. Das Material wird dabei nicht lediglich zum Träger der künstlerischen Idee, sondern selbst zu einem aktiven Bestandteil des Entstehungsprozesses.

Ann-Kathrin Krächan entwickelt in ihrer Lackmalerei kraftvolle Bildräume, in denen sich innere Landschaften öffnen. Auch ihre keramischen Arbeiten entstehen in einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Material. Mit der traditionellen Rauchbrandtechnik lässt sie Prozesse zu, die sich nicht vollständig kontrollieren lassen. Das Material reagiert auf Hitze, Rauch und Umgebung und bringt dadurch eigene Spuren und Veränderungen hervor.

Beide Künstlerinnen arbeiten intuitiv und prozessorientiert. Innere Bewegungen, bewusste und unbewusste Impulse werden nicht unmittelbar abgebildet, sondern entwickeln sich über einen längeren Zeitraum in den Werken. Schichtungen, Überlagerungen und Verbindungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Wie bei einem Gewebe, in dem einzelne Fäden erst im Zusammenspiel ein Ganzes ergeben, entstehen die Arbeiten aus vielen zeitlichen und materiellen Schichten.

Atem, Wiederholung, Geduld und die Offenheit gegenüber dem Unvorhersehbaren stehen dabei im Gegensatz zur Geschwindigkeit der digitalen Gegenwart. Die Künstlerinnen setzen bewusst auf Arbeitsprozesse, die Zeit benötigen. Färben, Weben, Brennen, Schichten und Trocknen lassen sich nicht beliebig beschleunigen. Gerade darin liegt für sie ein Moment der Entschleunigung und der Rückbesinnung.

Quelle: Ann-Kathrin Krächan

Die Ausstellung wird so zu einem Erfahrungsraum, in dem unterschiedliche Materialien und Medien aufeinandertreffen. Die organischen Arbeiten von Boglárka Balassa treten im hellen, klaren Ausstellungsraum der Villa Böhm besonders hervor. Pflanzengefärbte Stoffe, Schafvlies und weitere natürliche Materialien bringen eine unmittelbar sinnliche und erdverbundene Qualität in den Raum. Demgegenüber entwickeln sich an den Wänden die kraftvollen Arbeiten von Ann-Kathrin Krächan zu eigenständigen Bildräumen. Ihre Lackmalerei und Keramik verbindet die Auseinandersetzung mit dem Inneren mit der Offenheit gegenüber den Eigenschaften und Reaktionen des Materials.

Mit „Landschaften des Inneren“ setzen Ann-Kathrin Krächan und Boglárka Balassa zwei unterschiedliche künstlerische Positionen in einen unmittelbaren Dialog. Ihre Arbeiten verbindet die Suche nach einer sinnlichen, entschleunigten Erfahrung von Material und Raum. Die Ausstellung lädt dazu ein, den Blick nach außen – auf Stoffe, Pflanzen, Erde, Rauch, Farbe und Keramik – mit einem Blick nach innen zu verbinden.

Die Villa Böhm wird dabei nicht nur zum Ausstellungsort, sondern zu einem Raum der Begegnung: zwischen zwei Künstlerinnen, zwischen unterschiedlichen Medien, zwischen natürlichen Prozessen und menschlicher Wahrnehmung – und nicht zuletzt zwischen Kunstwerk und Publikum.

Die Künstlerinnen

Boglárka Balassa, geboren 1991 in Ungarn, lebt und arbeitet in Karlsruhe. Sie studierte Malerei an der Universität Pécs sowie an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel und absolvierte anschließend ein Aufbaustudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe in den Klassen von Prof. Helmut Dorner und Prof. Erwin Gross. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in Deutschland, Frankreich, Armenien und Japan gezeigt. Zu ihren jüngeren Ausstellungsprojekten zählen Präsentationen im Kunstverein Ludwigsburg, in der La Kunsthalle Mulhouse und im Forum Alte Post in Pirmasens. Balassa nahm an internationalen Residenzprogrammen in Armenien und Budapest teil und erhielt zahlreiche Förderungen und Stipendien. 2025 wurde sie mit dem Junge-Kunst-Kunstpreis des Neustadter Kunstvereins ausgezeichnet.

Ann-Kathrin Krächan, geboren 1992 in Wadern, lebt und arbeitet in Neustadt an der Weinstraße. Sie studierte Kunst und Sozialkunde an der Universität Koblenz-Landau und absolvierte ein Auslandssemester an der Hochschule in Fujian, China. Ihre Arbeiten waren unter anderem in der Villa Streccius in Landau, im Herrenhof Neustadt und im Frank-Löbschen-Haus zu sehen. Neben ihrer eigenen künstlerischen Arbeit engagiert sich Krächan intensiv in der Kunstvermittlung. Sie entwickelt und realisiert Kunst- und Kulturprojekte an Schulen und arbeitet dabei mit Museen, Kunstvereinen und weiteren Kulturinstitutionen zusammen. Ihre künstlerischen Schwerpunkte umfassen unter anderem Malerei und Keramik.


Ausstellung auf einen Blick

Landschaften des Inneren
Ann-Kathrin Krächan und Boglárka Balassa

06. bis 22. November 2026
Villa Böhm, Neustadt an der Weinstraße
Villenstraße 16b und Maximilianstraße 25

Eine Ausstellung des Kunstvereins Neustadt an der Weinstraße

Künstlerinnen: Ann-Kathrin Krächan, Boglárka Balassa
Einführung: Christina Körner, Kunsthistorikerin M.A. 

Musik: Moe Fukuda, Schlagzeug

Öffnungszeiten:
Donnerstag und Freitag: 15 bis 18 Uhr
Samstag und Sonntag: 14 bis 18 Uhr


Quelle: Kunstverein Neustadt an der Weinstraße


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