Speyer – Am 23. April 2026 fand im Historischen Ratssaal der Stadt Speyer die feierliche Präsentation der Domweine 2026 statt. Diese gehören zu den wichtigsten Produkten des Dombauvereins, da sie nicht nur einen wichtigen finanziellen Beitrag zum Domerhalt erwirtschaften, sondern auch als Markenbotschafter für den Verein werben. Entsprechend groß war der Andrang bei der Präsentation, die einen gelungenen Mix aus Ansprachen, Musik, Geselligkeit und Genuss darstellte.
Wie bereits im Jahr 2025 stammen auch die Weine der Edition 2026 aus der Pfalz: Der Weißwein, einmal mit und einmal ohne Alkohol, kommt vom Winzerverein Deidesheim, der Rotwein vom Weingut Werner Anselmann aus Edesheim. Die Etiketten gestaltete erneut die Speyerer Künstlerin Gerdi König. Bereits seit 1998 gibt der Dombauverein jährlich eine eigene Edition verschiedener Domweine heraus und verkaufte bis heute 124.000 Flaschen aus unterschiedlichen Weingütern. Da beim Verkauf jeder Flasche ein fester Betrag an den Dombauverein und damit in den Erhalt des Domes fließt, kamen so bislang 200.000 Euro zusammen.
Zur Präsentation begrüßte der Vorsitzende des Dombauvereins, Prof. Dr. Gottfried Jung, die zahlreichen Anwesenden und Ehrengäste, darunter den neuen Speyerer Bürgermeister Prof. Dr. Alexander Schubert, Weihbischof em. Otto Georgens sowie die Pfälzische Weinkönigin Anna Antonia Cölsch und die Pfälzische Weinprinzessin Susanna Singer.

Jung betonte in seiner Ansprache, dass die Domweine und der Domsekt als zentrale Aushängeschilder des Dombauvereins nicht nur für Genuss und kulturelle Tradition stehen, sondern zugleich einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Doms durch bürgerschaftliches Engagement leisten. Er verwies auf die häufige Erwähnung des Weins in der Bibel und die kulturhistorische Bedeutung des Rebensaftes, die durch die künstlerisch gestalteten Etiketten des Domweins noch hervorgehoben werde. Mit Blick auf die kooperierenden Weingüter sagte er:
„Wir sind außerordentlich dankbar für die überaus fruchtbare Partnerschaft mit dem Winzerverein Deidesheim und dem Weingut Werner Anselmann und wissen ihr riesengroßes Engagement für den Dom sehr zu schätzen.“
Prof. Dr. Gottfried Jung
Dass das Geld dringend für den Domerhalt gebraucht würde, konnte er mit Blick auf die eingerüsteten Osttürme plausibel darlegen. Darüber hinaus warb Jung um Spenden für die Restaurierung der Figuren des Ölbergs. Zwei Figuren sind nach aktuellem Stand noch ohne Paten, während der Erhalt von 16 Figuren durch Patenschaften schon gesichert ist.
Im Anschluss richtete der Bürgermeister der Stadt Speyer, Prof. Dr. Alexander Schubert, ein Grußwort an die Gäste. Als Historiker rekurrierte er auf den Weinkrieg zwischen Domkapitel, Bischof und Stadt im 13. Jahrhundert. Damals stritt man in Speyer um die besten Weinlagen und die Frage, wer den besseren Wein produziere. Ein Konflikt, der schließlich nur durch das Eingreifen von König Rudolf von Habsburg beigelegt werden konnte. Diese Begebenheit verweise auf die lange Weintradition von Speyer, die nun in der Partnerschaft von Weingütern und Dombauverein fortgeschrieben werde.
Weihbischof em. Otto Georgens warb mit seinen Gedanken zum Thema „Wein“ für einen maßvollen Genuss. Seine launigen Ausführungen zu Kurfürst Friedrich II. führten dabei vor Augen, dass übermäßiger Konsum zu einem frühen Tod führen kann. Als er das berühmte Sauflied auf den Monarchen anstimmte, konnte er sich stimmlicher Verstärkung durch die Anwesenden erfreuen. Der Vers „Wie kam gestern ich ins Nest / bin schein’s wieder voll gewest“ klang schallend durch den Historischen Ratssaal. Georgens Fazit: Lieber ein kurzes, genussvolles Leben, als ein entbehrungsreiches langes.
Steven Kärgel vom Winzerverein Deidesheim und Ralf Anselmann vom Weingut Werner Anselmann stellten ihre Betriebe vor und gaben Auskunft zu jeweiligen Schwerpunkten im Anbau. Beide Weinproduzenten konnten dabei mit großen Lagen und zahlreichen Auszeichnungen glänzen. Dieser Erfolg zeigte sich insbesondere bei der Übergabe der Spendenschecks an den Dombauverein. Während das Weingut Werner Anselmann durch den Verkauf des roten Domweins im Jahr 2025 5.200 Euro zum Domerhalt beisteuern konnte, war es dem Winzerverein Deidesheim durch den Verkauf von Weißwein in einer alkoholhaltigen und einer alkoholfreien Variante möglich, 8.800 Euro an den Dombauverein zu spenden.
Der Höhepunkt des Abends war die Vorstellung der neuen Domweine 2026 durch die Pfälzische Weinkönigin Anna Antonia Cölsch, die von Weinprinzessin Susanna Singer begleitet wurde. Cölsch präsentierte die Weine und schwärmte von deren Qualität: Ein fruchtbetonter Riesling von alten Reben vom Winzerverein Deidesheim mit ausgewogener Säurestruktur, eine alkoholfreie Cuvée aus Riesling und Gewürztraminer mit exotischen Aromen sowie ein kräftiger Merlot des Weinguts Werner Anselmann mit Noten von Schwarzkirsche und Cassis. Riesling und Merlot repräsentierten, so Cölsch, die gelungene Kombination aus Tradition und Innovation. Während Riesling zu den Weinsorten mit langer Tradition in der Pfalz gehöre und in herausragender Qualität produziert werde, gehöre Merlot zu den Rebsorten, die erst seit Mitte der 1990er Jahre in der Region angebaut würden, durch den Klimawandel aber zunehmend an Bedeutung gewönnen. Von der ausgewogenen Säurestruktur des Rieslings und den gut balancierten Tanninen des Merlots konnten sich die anwesenden Gäste bei der anschließenden Verkostung selbst überzeugen.
Musikalisch wurde die Veranstaltung von zwei jungen Schülerinnen der Musikschule der Stadt Speyer begleitet. Josefina Witzke und Laura Schutzius beeindruckten mit Klavierspiel und Gesang.
Titelbild: Prof. Dr. Gottfried Jung (Vorsitzender des Dombauvereins), die Pfälzische Weinprinzessin Susanna Singer, Weihbischof emeritus Otto Georgens, Steven Kärgel (Geschäftsführer des Deidesheimer Winzervereins), die Pfälzische Weinkönigin Anna Antonia Cölsch, Ralf Anselmann (Geschäftsführender Inhaber beim Weingut Anselmann) und der Bürgermeister der Stadt Speyer, Prof. Dr. Alexander Schubert.
Quelle: Bistum Speyer




