Bruchmühlbach-Miesau – Nicole Johänntgen liebt und lebt für den Jazz. Daran hatten die gut 100 Konzertbesucherinnen und ‐besucher am 17.05.2026 in der Miesauer Kirche von der ersten bis zur letzten Minute keinen Zweifel. Ihnen bot sich ein ganz besonderes Hörerlebnis.
Auf Initiative des Orgelbauvereins Miesau e.V. und in Zusammenarbeit mit der Kulturreihe „Musik im Kreis“ beendete Nicole Johänntgen mit ihrer Band Henry ihre Europatournee, die sie unter anderem bereits nach Norwegen und Südfrankreich geführt hatte, am vergangenen Sonntag in Miesau.
Die Combo aus Nicole Johänntgen (Altsaxophon), Marc Roos (Posaune), Victor Hege (Sousaphon) und Pius Baschnagel (Schlagzeug) ist nicht nur außergewöhnlich besetzt, sie spielt auch außergewöhnlich virtuos. Gleich im ersten Stück des Programms, wie auch der Bandname: Henry, konnten alle vier ihr Können im Zusammenspiel wie auch als frei improvisierende Solisten unter Beweis stellen. Nicole Johänntgen, im saarländischen Fischbach-Camphausen geboren, führte mit Charme durch das Programm und gab dabei interessante Einblicke zu den Geschichten hinter ihren Kompositionen. Bei „Fahrtwind“ etwa hatte man nachgerade den Eindruck, in einem Oldtimer-Cabrio durch die Straßen des sonnigen New Orleans zu brausen. Eine Hommage an ihre Wahlheimat, die Schweiz, gab es mit „Canyon wind“ – inspiriert durch die Grindelwald-Gletscherschlucht. Sehr persönlich war der „Song for Nenel“, eine Komposition, die Nicole Johänntgen ihrem Sohn gewidmet hat und bei dem sie das Saxophon absetzte und sang. Aber auch in anderen Stücken erklangen Stimmen, und wenn man ganz genau hinhörte, konnte man bei „Labyrinth“ zwischen Jazz-Vokalisen auch „Bruchmühlbach-Miesau“ erkennen.

Nicole Johänntgen ist seit 2023 Trägerin des Lichtenburgpreises des Musikantenlandes (als erste Frau). Sie sieht darin eine enge Verbindung zwischen der Tradition der Wandermusikanten und der Jazz-Improvisation; bei beiden sind Weg und Ziel nicht von vornherein bekannt und beide sind vom Austausch mit anderen Kulturen inspiriert.
In ihren Schlussworten äußerte Nicole Johänntgen den Wunsch, dass an diesem Vorabend alle, Zuhörer wie Ausführende, im Jazz vereint sein mögen. Für das gut anderthalbstündige Konzert bedankte sich das Publikum begeistert mit lautem Applause bei der Frontfrau und „Henry“.
Quelle Roland Bischoff / Orgelbauverein Miesau e.V.





