Ludwigshafen – In diesem Jahr steht der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September 2023, unter dem Motto „Talent Monument“. Wie in den vergangenen Jahren beteiligen sich wieder mehrere Ludwigshafener Institutionen an der bundesweiten Aktion. Dabei bekommen Besucher bei einzelnen Gebäuden und Liegenschaften interessante Einblicke in deren Entstehungs- sowie Entwicklungsgeschichte.

Bei der deutschlandweit 30. Auflage des Tages des offenen Denkmals öffnen die Pfarrkirche St. Michael, Von-Sturmfeder-Straße 14a, das Sturmfedersche Schloss, Von-Sturmfeder-Straße 3, der Maudacher Friedhof, Alte Weinstraße 11, das Schillerhaus Oggersheim, Schillerstraße 6, die Melanchthonkirche, Maxstraße 38, der Lutherturm, Maxstraße 33, und das ehemalige Hallenbad Nord, Erzbergerstraße 12, ihre Pforten.

Pfarrkirche St. Michael

Startpunkt ist am Sonntag um 11 Uhr die Pfarrkirche St. Michael, wenn Dr. Regina Heilmann, Leiterin des Stadtmuseums, den Tag des Denkmals im Namen der Stadt Ludwigshafen offiziell eröffnet und Pfarrer Josef Szuba die Gäste begrüßt, feierlich begleitet von Olga Goncharuk an der Orgel. Daran schließt sich um 12 Uhr eine geschichtliche Führung mit Pfarrer Szuba durch das Gotteshaus und den Kirchgarten an. Bis 14 Uhr gibt es dann die Möglichkeit für ein gemeinsames Mittagessen und geselliges Beisammensein auf dem nah gelegenen Bruchfest des GTV Maudach (Bänke sind reserviert).

Erstmals wird eine Michaelskirche am Ort 1307 erwähnt. Von Vorgängerbauten der heutigen Kirche haben sich der viergeschossige, ehemalige Westturm aus der Zeit um 1500 und der dreiseitig geschlossene, ehemalige Chor um 1535 in spätgotischen Formen erhalten. Beide wurden als Choranbauten nach Plänen von Franz Wilhelm Rabaliatti in den spätbarocken Neubau einbezogen, der entgegen der spätgotischen Kirche nicht geostet, sondern nördlich ausgerichtet ist. 1945 wurden das Chordach und der Turmhelm durch eine Bombe beschädigt und im Zeitraum von 1949 bis 1951 wieder instandgesetzt.

Die spätbarocke Kirche ist ein Saalbau mit stark eingezogenem Chor, ein Putzbau mit Sandsteingliederungen in einfachen Formen. Das von Pilastern gerahmte Hauptportal trägt die Jahreszahl 1753. Darüber befindet sich die Nischenfigur des Heiligen Michael vom Ende des 19. Jahrhunderts. Der schlichte Innenraum ist mit einer flachen Decke über einer hohen, umlaufenden Kehle gestaltet, hinter der Fassade ruht die Empore auf gusseisernen Säulen aus der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts. An die Seitenwände des flachgedeckten Chors schließen sich spätgotische Portale aus der Zeit um 1500 an, in deren Schlusssteinen die Wappen derer von Hirschhorn gesetzt sind.

Von der Ausstattung sind auf dem linken Seitenaltar ein geschnitztes Vesperbild aus der Mitte des 15. Jahrhunderts sowie darüber ein Gemälde mit der Himmelfahrt Mariens aus dem späten 18. Jahrhundert hervorzuheben. Das entsprechende Gemälde zeigt auf dem rechten Seitenaltar die Darstellung des Heiligen Nepomuk. Über dem Hochaltar vor dem in den 1950er Jahren zugesetzten, mittleren Chorfenster ist eine Kreuzigungsgruppe platziert, die aus dem mittleren 18. Jahrhundert stammt. Zur Originalausstattung aus dem 18. Jahrhundert zählen auch die steinerne Kommunionbank, die Kanzel (um 1760), die Orgel von Andreas Krämer aus Mannheim (von 1779) sowie zwei Beichtstühle. Die einheitliche Verglasung der Fenster nach Entwürfen von Georg Brotzler aus Speyer stammt aus den 1950er Jahren.

An der das Grundstück umgebenden Sandsteinmauer um dem Entstehungszeitraum von 1775 bis 1780 befindet sich eine Ölberggruppe mit Christus und Engel auf gefasstem Ton, deren Entstehung auf das späte 19. Jahrhundert datiert ist. Auf dem Grundstück findet sich ferner eine beschädigte, gusseiserne Vase um 1800. Daneben gibt es eine gefasste Tonplastik des Heiligen Franziskus mit Christusknaben aus der Zeit um 1900. Am Chorscheitel prangt eine versetzte Sandsteinstele mit einem Brustbild Christi auf Zinkblech, das den Schriftzug „J. HAHN 1878“ aufweist. An der Nordseite der Sakristei ist das Standbild des Guten Hirten – ehemals eine Nischenfigur um 1900 am 1973 abgebrochenen katholischen Pfarrhaus – aus gefasstem Ton ersichtlich.

Die unweit des ehemaligen Schlosses im Zentrum des Ortes gelegene und von dem älteren Turm überragte Kirche ist eine städtebauliche Dominante. Es ist der einzige Bau am Ort, der bau- und bildkünstlerische Traditionen seit dem Mittelalter anschaulich erlebbar macht.

Sturmfedersches Schloss

Um 14 Uhr empfängt Maudachs Ortsvorsteherin Rita Augustin-Funck mit Manuela Engel-Krieg, Mitglied des Fördervereins Maudacher Jubiläen e.V., die Besucher im Maudacher Schloss. Nach der Begrüßung steht von 14 bis 16 Uhr die Besichtigung der Dauerausstellung zur Ortsgeschichte Maudachs und der Sonderausstellung zum Maudacher Passionsspiel von 1947 inklusive der von Markus Trescher gestalteten Passionskrippe auf dem Programm. Zur Tour gehört auch ein Blick in das prunkvolle, städtische Trauzimmer.

Dr. Stefan Mörz, Leiter des Stadtarchivs und Autor der Maudacher Ortschronik mit dem Titel „Auf dem Land und in der Stadt“, geht um 16 Uhr in seinem Vortrag unter anderem auf die Geschichte des Schlosses auf dessen Bedeutung für Maudach ein. Danach kann man bis 18 Uhr im Schlosshof den Nachmittag ausklingen lassen. Bei schlechter Witterung können im Erdgeschoss des Schlosses kleine Erfrischungen zu sich genommen werden.

Das Sturmfedersche Schloss wurde um 1770 erbaut und ist heutiger Sitz der Ortsverwaltung. Das Gebäude brannte 1945 bis auf die Umfassungsmauern aus und wurde von 1950 bis 1952 im Inneren verändert wiederhergestellt. Der weithin sichtbare, großvolumige, dreigeschossige Bau vereint unter einem Walmdach eine Sandsteingliederung in klassizistischer Form. Im Giebelfeld des Gebäudes ist das Wappen des Freiherren von Sturmfeder aus der Zeit nach 1815 ersichtlich.

Friedhof Maudach

Zum Ausklang des Tages steht um 18 Uhr ein Spaziergang über den Friedhof Maudachs an. Stadtmuseumsleiterin Dr. Regina Heilmann spricht dabei abschließende Worte zum Thema „Trauer und Denkmal“, musikalisch umrahmt von Stefan Klaiss an der Gitarre.

Der alte Friedhof lag um die Michaelskirche. Dieser wurde 1838 aufgelöst und an seinem heutigen Standort als schmale, langgezogene Parzelle neu angelegt sowie später mehrfach in südlicher Richtung erweitert. Die Umfassungsmauer des älteren Teils des Friedhofs stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Von den Grabmälern ist unter anderem das von Pfarrer Sebastian Keller hervorzuheben. Ein Baumkreuz und eine Christusfigur auf einem Felssockel weist das Sandsteingrabmal mit verschiedenen Todessymbolen auf. Das Grabmal der Familie Auguste Schermann besteht aus einer schlichten Marmorstele mit der Bronzefigur einer Trauernden im Hochrelief.

Schillerhaus Oggersheim

Am Tag des offenen Denkmals ist das Schillerhaus Oggersheim von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Um 11 Uhr lädt der Heimatkundliche Arbeitskreis Oggersheim zu einer Ausstellungseröffnung ein, in deren Zug Werke der Ludwigshafener Künstlerin Ingrid Hess zu sehen sind. Die Künstlerin lebt in Ludwigshafen am Rhein und lässt sich von Industrie-, Hafen-, Stadt- sowie Parklandschaften gleichermaßen faszinieren und inspirieren. Während des Malens mit Öl oder Acryl auf Leinwand oder Papier geschehen Reduzierungen ganz von selbst: Farbige Flächen werden
ohne Vorzeichnung an- und ineinander geschichtet, bis Dichte, Spannung und Rhythmik erreicht sind. Die Schiller-Gedenkstättenräume sind wegen eines Umbaus noch bis November geschlossen, doch der Garten auf der Gebäuderückseite lädt zum Verweilen ein.

Das Schillerhaus ist das ehemalige Gasthaus „Zum Viehhof“. Seit 1959 ist Schiller-Gedächtnisstätte. Über den tonnengewölbten Keller um 1750 wurde ein zweigeschossiger Putzbau mit charakteristischer Sandsteingliederung unter Satteldach in Trauflage errichtet. Die Fassadenmitte zeigt eine mit korbbogige Durchfahrt, die Hausecken sind durch gequaderte Lisenen betont. Nach der Zerstörung im Krieg erfolgte 1956 die Rekonstruktion des Gebäudes unter Verwendung älterer Substanz, während die Hofseite modern gestaltet wurde. Eine Bronzetafel aus dem Jahre 1856 erinnert an Friedrich von Schillers Aufenthalt während seiner Verhandlung mit dem Mannheimer Theater im Jahr 1782.

Melanchthonkirche

Von 9.30 bis 10.30 Uhr lässt sich den Besonderheiten der Melanchthonkirche nachspüren. Im Gottesdienst zum Tag des offenen Denkmals geht Pfarrerin Susanne Schramm in ihrer Predigt verschiedenen Fragen nach, um den außergewöhnlichen Eigenschaften der Kirche nachzugehen, welche diese auszeichnen: Was macht diese Kirche zum Blickfang? Wieso sieht sie aus wie ein Schiffsbauch? Und warum ist der Bau so charmant? Und warum hat sich der Baumeister Otto Bartning für diese Architektur entschieden? 

Um 11.15 und 12.30 Uhr gibt es Führungen durch die protestantische Melanchthonkirche, die zu einer der etwa 50 Notkirchen des Architekten Otto Bartning, welche im Zeitraum zwischen 1948 und 1950 in ganz Deutschland gebaut wurden, zählt. Die Melanchthonkirche wurde 1949 als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Lutherkirche errichtet. Der schlichte Baukörper greift in seiner expressiven Formensprache den Kirchenbau der 1920er Jahre auf. Die Führungen mit Kirchenpädagogin Birgit Kaiser auf den Lutherplatz und durch die Melanchthonkirche dauern rund eine Stunde.

Der Förderverein Am Lutherplatz e.V. veranstaltet von 18 bis 20 Uhr sein jährliches Open-Air-Konzert in diesem Jahr mit der Gruppe „Tacheles“, einer Klezmer Band aus Ludwigshafen. Klezmer ist die jiddische Musik Osteuropas. Musik, die direkt Herz und Seele anspricht. „Tacheles“ spielt in der Besetzung Klarinette, Violine, Akkordeon und Kontrabass. Organisiert wird das Ensemble vom Ludwigshafener Kulturverein Fridolin e.V.

Die Melanchthonkirche wurde als Notkirche 1949 errichtet und entspricht dem von Bauhausarchitekt sowie Kirchenbaumeister Otto Bartning entwickelten Typus. Charakteristisch sind das Träger-Bindersystem als selbsttragendes Grundgerüst aus schwedischem Holz, die Holzabdeckung sowie die dazwischenliegenden Glasfensterscheiben.

Lutherkirche und Pfalzbau in Ludwigshafen (Foto: Holger Knecht)
Lutherkirche und Pfalzbau in Ludwigshafen (Foto: Holger Knecht)

Lutherturm

Das Restaurant „La torre da Angelo“ im Lutherturm ist in der Zeit von 11.30 bis 14.30 Uhr und 17 bis 22 Uhr geöffnet. Aus Sicherheitsgründen ist eine Besteigung des Lutherturms nicht möglich.

Die Lutherkirche entstand als ältester Kirchenbau in der Innenstadt in den Jahren von 1858 bis 1865 nach Plänen von August von Voit. Der Stil der Neugotik prägte die Saalkirche. Nach dem Kriegsende 1945 blieb nur noch die Ostfront mit dem von Voits Sohn August 1879 vollendeten Mittelturm erhalten. Der Mittelturm blieb als städtebaulicher, weithin sichtbarer Blickpunkt ge

genüber der Einmündung zur Amtsstraße gelegene mit reich gegliederter Sandsteinfassade bestehen. Der Turm weist einen quadratischen Grundriss mit Maßwerk aufgelöstem Spitzhelm auf. Über den Portalen finden sich Figuren, die der Karlsruher Bildhauer Karl Friedrich Moest 1883 aufstellte. Die Figuren stellen die vier Evangelisten dar.

Ehemaliges Hallenbad Nord

Unter dem Motto „Das Denkmal erleben“ öffnen die GML und der benachbarte TWL-Freischwimmer gemeinsam von 10 bis 13 Uhr das ehemalige Hallenbad Nord. Besucher können bei guter Musik und einem Gläschen Wein die besondere Lokalität erkunden. Um eine Anmeldung hierfür unter der E-Mail-Adresse anmeldung@gml-ludwigshafen.de wird gebeten.

Die 1956 nach dem Entwurf von Heinrich Schmitt errichtete, schlanke Stahlbetonkonstruktion mit transparenter Schwimmhalle, dient heutzutage als Wasservorratsspeicher. Die Eingangshalle, die Umkleide und das Atrium des Gebäudes stehen gegenwärtig Existenzgründer*innen als innovative Büros zur Verfügung.

Weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals gibt es auf der Internetseite www.tag-des-offenen-denkmals.de.

Quelle: Stadtverwaltung Ludwigshafen